Unruhen in Istanbul: 30-Jähriger stirbt nach Schuss in den Kopf

Kurz vor dem Auftritt des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan in Köln, ist es in der Türkei zu einem neuerlichen Todesfall auf offener Straße gekommen. Ein 30-jähriger Mann starb in Istanbul, nachdem er schwer am Kopf verletzt wurde. Sein Bild geht mittlerweile um die Welt.

Der 30-jährige Uğur K. verstarb am Donnerstag, nachdem sich bei Zusammenstößen zwischen Polizei und einer Gruppe von Leuten im Stadtteil Okmeydanı eine Kugel verirrt hatte. Bei den neuerlichen Auseinandersetzungen gab es zudem zahlreiche Verletzte. Über Nacht kam es nun zu weiteren Unruhen.

Das Todesopfer hatte offenbar an einer Trauerkundgebung teilgenommen, als die Polizei unweit davon gegen eine Gruppe von zehn bis 15 Personen vorging, die sich in der Nachbarschaft versammelt hatte. Nachdem die Polizei Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt hatte, zerstreute sich die Gruppe in den Seitenstraßen. Durch einen Molotow-Cocktail wurde dann jedoch ein gepanzertes Polizeifahrzeug in Brand gesteckt. Die Beamten flüchteten aus dem Fahrzeug und sollen darauf hin das Feuer eröffnet haben. Ob es sich um Warnschüsse in die Luft oder direktes Zielen in die Menge gehandelt hat, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Ebenso darüber, ob die Beamten tatsächlich mit scharfer Munition feuerten.

Nachdem Uğur getroffen wurde, habe man ihn umgehend ins Krankenhaus gebracht. Trotz sofortiger medizinischer Hilfe erlag er wenige Stunden später seinen massiven Kopfverletzungen.

Bis spät in die Nacht setzten sich die Zusammenstöße fort. Die Demonstranten warfen drei selbstgebastelte Bomben in Richtung Polizei. Dabei wurden sechs Beamte und zwei Zivilisten verletzt. Mittlerweile soll sich ein weiterer Mann in kritischem Zustand befinden, so die türkische Zeitung Hürriyet. Er habe sich seine schweren Verletzungen bei Kämpfen in der Nacht zugezogen.

Die Demonstranten hatten sowohl gegen das Minenunglück in Soma in der vergangenen Woche als auch gegen den Tod des 15-jährigen Berkin Elvan protestiert. Der Junge war nach acht Monaten im Koma verstorben. Während der Gezi Park Proteste im Sommer 2013 hatte er einen schweren Schlag gegen den Kopf durch eine Gaspatrone der Polizei erlitten (mehr hier).

Mittlerweile bestätigte der Istanbuler Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu, dass im Zuge der Auseinandersetzungen Waffen eingesetzt wurden. „Es gibt Bilder in den Medien, die Waffen zeigen“, zitiert ihn das Blatt. Er kündigte an, den Fall umfassend untersuchen zu lassen. Gleichzeitig verteidigte er jedoch die Reaktion der Beamten. Immerhin sei ein Fahrzeug mit einem Molotow-Cocktail attackiert worden. Und das in der Nähe einer Schule.

Auch der stellvertretende Premier Bülent Arınç hat sich in den Fall eingeschaltet. „Wenn einer unserer unschuldigen Bürger durch die Kugel eines Polizisten getötet oder durch eine verirrte Kugel verletzt wird, während er die Vorgänge aus der Ferne beobachtet, sollte, wer auch immer dafür verantwortlich ist, sofort vor Gericht gestellt und bestraft werden.“

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