Erdoğan und Demonstranten verlassen Köln

Premierminister Erdoğan spricht eine Warnung an seine Fans aus. Sie dürfen sich nicht von Gegen-Demonstranten provozieren lassen. Doch nach Angaben der Polizei Köln haben sich die meisten Kundgebungen ohnehin aufgelöst.

18.00 Uhr: Etwa 30.000 Menschen haben sich in Köln versammelt, um gegen den Auftritt des türkischen Premiers Erdoğan zu demonstrieren. Nach Polizei-Angaben wurde im Vorfeld eine Kundgebung der „Bürgerbewegung Pro Köln“ von Köln-Nippes nach Kalk verlegt.

18:06 Uhr: Emrullah İşler spricht zu den 15.000 Personen in der Lanxess-Arena. „Ihr gehört in dieses Land. Ihr seid die europäischen Türken. In den vergangenen 12 Jahren haben wir immer ein offenes Ohr für eure Sorgen gehabt. Ihr dürft nicht verzagen und müsst in diesem Land aktive Bürger werden. In diesem Sinne möchte ich insbesondere unseren Frauen danken, die einen maßgeblichen Anteil an der Organisation dieser Veranstaltung haben.“

18:30 Uhr: Premierminister Erdoğan betritt das Podium. Die Massen erheben sich und beginnen mit einer Light-Show per Handy. „Die Türkei grüßt euch meine Geschwister. Ich soll euch die Grüße von 78 Millionen Menschen ausrichten.“

18:32 Uhr: Erdoğan sagt ein Gedicht auf. Der Inhalt des Gedichts beschäftigt sich mit dem Gefühl der Heimatlosigkeit und dem Dasein in der Diaspora. Der Verfasser des Gedichts ist der Dichter Necip Fazil Kisakürek.

„Ihr habt viel gelitten. Viele Opfer musstet Ihr aufbringen. Doch ihr habt durchgehalten und seid geduldig gewesen. Lasst mich euch sagen: Wir sind stolz auf euch und haben euch sehr viel zu verdanken. Danke!“

„Meine lieben Brüder und Schwestern. In Soma haben wir 301 unserer Geschwister verloren. Auch ihr habt den Schmerz dieses Unglücks gespürt. Ich danke euch für eure Anteilnahme.“

Premierminister Erdoğan sagt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich faktisch von Anfang an mit der Türkei solidarisiert hat. Sie habe Erdoğan angerufen und deutlich gemacht, dass Deutschland jegliche Hilfen leisten werde. „Ich möchte mich in Eurem Namen bei der ehrenwerten Kanzlerin Merkel bedanken“, so Erdoğan.

18:50 Uhr: Erdoğan konzentriert sich aktuell auf das Grubenunglück von Soma. Es könne nicht sein, dass sogar ein derartiges Unglück als Vorwand für destruktive Kritik gegen die türkische Regierung benutzt werde. Im Zuge der vergangenen Tage seien bei Zusammenstößen zwei junge Menschen getötet worden. Mehrere Polizisten seien schwerverletzt worden. Einer der Beamten schwebe aufgrund eines Molotow-Coktail-Angriffs in Lebensgefahr.

„Durch Einheit ensteht Stärke. Auch hier in Deutschland habe ich immer gesagt, dass wir immer die Integration verteidigt haben. Dies muss gefördert werden. Doch Zwangs-Assimilation ist falsch. Da lehnen wir kategorisch ab. Doch die hiesigen Medien drehen uns die Worte im Mund um“, so Erdoğan.

19:06 Uhr: Erdoğan sagt: „Vor hundert Jahren fand der 1. Weltkrieg statt. Damals gingen Deutschland und die Türkei eine Schicksals-Gemeinschaft ein. In Gallizien sind türkische Soldaten gestorben. Unsere beiden Länder sind auch angesichts der Einwanderungs-Welle in den 60er und 70er Jahren eine Schicksals-Gemeinschaft eingegangen. Ihr habt dieses Land gemeinsam mit den Deutschen wieder aufgebaut und gestärkt. Dieser Prozess ist immer noch im Gange. Ihr spielt eine wichtige Rolle bei der Stärkung der bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland.“

19:15 Uhr: Erdoğan verteidigt die Kurden-Politik der türkischen Regierung. Die Zeiten, wo Menschen aufgrund ihrer Religion oder ihrer Herkunft diskriminiert werden, sei endgültig vorbei. Es sei eine neue Türkei entstanden.

19:25 Uhr: Nachdem Erdoğan auf die wirtschaftlichen Erfolge der vergangenen Jahre verwiesen hat, sagt er: „Wir haben eine neue Türkei erschaffen, die ein Mitsprachrecht in der Welt fordert. Es gibt Kreise, die das nicht akzeptieren wollen. Doch sie müssen die neuen Gegebenheiten verdauen und uns als ebenbürtige Partner behandeln. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Das 21. Jahrhundert wird auch mit unserem Schweiß und unserer Arbeit geformt werden. Doch es gibt im In- und Ausland Stimmen, die von ihrer Selbstgefälligkeit, ihrer Geringschätzung und ihrem Hohn nicht abrücken wollen.“

19:35 Uhr: Erdoğan äußert sich zur Islamophobie und dem Antisemitismus in Europa. Die Türkei als Mitglied der europäischen Familie werde die Islamophobie und den Antisemitismus bekämpfen. Die Türkei sei das Gegengift gegen derartige Strömungen. Europa dürfe sich nicht vor Veränderungen ängstigen.

Erdoğan zitiert Gustav Heinemann: „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.“

„Ich bitte euch, die deutsche Sprache sehr gut zu erlernen. Das habe ich immer wieder gesagt. Natürlich bitte ich euch auch, die türkische Sprache sehr gut zu erlernen. Ich möchte nicht, dass ihr euch wie Ausländer in diesem Land fühlt.“

19:43 Uhr: Erdoğan äußert sich zu den Gegendemonstranten: „Meine Geschwister. Ich habe erfahren, dass sich außerhalb der Arena eine Menge Demonstranten befinden. Was solls! Auch das sind unsere Menschen. Ich bitte euch beim Verlassen der Arena, nicht provozieren zu lassen. Das wäre unnötig.“

20:00 Uhr: Ein Sprecher der Polizei Köln sagte den DTN, dass die meisten Gegendemonstranten die Heimatfahrt angetreten haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ausschreitungen stattfinden könnten, sei gering. Doch die Sicherheitskräfte werden die Vorkehrungen aufrecht erhalten, bis wieder Ruhe eingekehrt ist.

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