Schrecklicher Arbeitsunfall: Drei Gerüstbauer stürzen in Istanbul in den Tod

In einem Istanbuler Stadteil hat sich am Samstag ein verheerendes Unglück auf einer Baustelle ereignet. Beim Zusammenbruch eines Gerüstes wurden gleich drei Bauarbeiter in den Tod gerissen. Die Behörden haben eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet.

Für den 53-jährigen Hasan Doğan und seine beiden 22-jährigen Kollegen Salih Karayalı und Sinan Doğan kam jede Hilfe zu spät. Die drei Bauarbeiter stürzten am Samstag ganze 16 Stockwerke in die Tiefe. Die Katastrophe im Distrikt Kartal kommt zu einem höchst sensiblen Zeitpunkt. Zuletzt ließ das Minenunglück von Soma Mitte Mai die Diskussionen um den Stand der Arbeitssicherheit in der Türkei wieder hochkochen.

Wie es zum Zusammenbruch des Baugerüsts kommen konnte, ist bislang nicht bekannt. Die Staatsanwalt habe jedoch bereits die Ermittlungen aufgenommen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Am 13. Mai waren in Soma 301 Minenarbeiter im Zuge eines Feuers unter Tage ums Leben gekommen. Fachleute warnten: Eine Wiederholung der Katastrophe ist wahrscheinlicher als gedacht. Gleich mehrere Hundert Minen sollen in einem kritischen Zustand sein (mehr hier). Das Unglück wurde in den Tagen darauf von zahlreichen Protesten im Land begleitet. Neu ist das Thema Arbeitssicherheit in der Türkei nicht. Bereits 2012 lag das Land in Sachen Unsicherheit am Arbeitsplatz im internationalen Vergleich auf Rang drei. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hatte hierzu die Daten aus 82 Ländern erhoben. Demnach lagen lediglich Algerien und El Salvador in Sachen Todesfällen auf Grund von Arbeitsunfällen hinter der Türkei (mehr hier).

Nach Angaben der Sozialversicherungsanstalt (SGK) aus dem Jahr 2012 gäbe es in der Türkei täglich 172 Arbeitsunfälle mit durchschnittlich drei Toten. Dem türkischen Arbeitsministerium zufolge starben allein in den vergangenen neun Jahren mehr als 11.000 Menschen bei gut 730.000 Arbeitsunfällen.

Im Vorfeld des XIX Weltkongress für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz hatte die ILO ihre „Istanbuler Erklärung“ veröffentlicht, die sich mit Todesfällen am Arbeitsplatz beschäftigt. Darin forderte sie dazu auf, die Bemühungen um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen weiter voranzutreiben. Die ILO zeigte sich damals überzeugt, die „Förderung der Rechte der Arbeitnehmer auf ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld sollte als grundlegendes Menschenrecht anerkannt werden“. Bisher, so hieß es weiter, habe die Türkei wenig getan, um die Gefahren am Arbeitsplatz einzudämmen. Schlechte Hygiene-und Sicherheitsbedingungen am Arbeitsplatz hätten in der Türkei in den vergangenen Jahren im Großen wie im Kleinen epidemische Ausmaße angenommen.

Ende 2012 hatte die Regierung in Ankara schließlich ein neues Gesetz zur Arbeitssicherheit verabschiedet. Dies soll Fachleuten zufolge EU-Niveau haben. Doch in der Türkei soll es derzeit nur rund 500 Personen geben, die überhaupt für Arbeitsschutz verantwortlich sind und das somit auch kontrollieren könnten.

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