Der „Migrationshintergrund“ ist Geschichte: Heidelberg sucht einen neuen Begriff

Anlässlich des diesjährigen Diversity-Tags am 3. Juni wird in Heidelberg ein spannendes Ergebnis angekündigt. Gemeinsam mit Bürgern wollen das Interkulturelle Zentrum Heidelberg, die „Neuen deutschen Medienmacher“ und SAP eine Alternative für den Begriff „Migrationshintergrund“ entwickeln. Bei einem bloßen Gedankenspiel soll es aber nicht bleiben. Die Stadt Heidelberg hat bereits zugestimmt, den gewählten Begriff anschließend auch tatsächlich in ihrer Verwaltung zu übernehmen.

Ab 15 Uhr sollen an diesem Dienstag in Heidelberg die Köpfe rauchen. Denn dann verwandelt das Heidelberger Interkulturelle Zentrum i.G. gemeinsam mit den „Neuen deutschen Medienmachern“, der SAP, dem SAP AppHaus und der Landfried AG, die ehemalige Tabakfabrik auf dem Landfriedgelände in eine „Denkfabrik für Diversity“.

Die Aktion „Für eine Sprache der Vielfalt” in der altehrwürdigen Universitätsstadt liegt für die Initiatoren auf der Hand: „In der Öffentlichkeit fallen oft ganz selbstverständlich Begriffe wie ‚Migrationshintergrund‘, ‚Integration‘ oder ‚Willkommenskultur‘. Doch nicht alle Bürgerinnen und Bürger finden sich in diesen Worten wieder“, so die „Neuen deutschen Medienmacher“. Genau deshalb soll im Baden-Württembergischen nun ein neuer Weg beschritten werden. Heidelberg, so die Initiatoren, sei die erste deutsche Kommune, die hierzu ihre Bürgerinnen und Bürger befragt.

Erfahrung auf diesem Gebiet gibt es bei den „Neuen deutschen Medienmachern“ bereits. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurde unter anderem die Arbeitstagung „Neue Begriffe für die Einwanderungsgesellschaft” veranstaltet. Auch unweit der Mündung des Neckars in den Rhein will man sich nun aktiv einbringen und gemeinsam mit Heidelberger Bürgerinnen und Bürgern den Wortschatz rund um den sogenannten Migrationshintergrund in insgesamt drei Workshops erweitern, Darstellungen der Medien hinterfragen und Blattkritiken für Zeitungen der Region anbieten. Genau sollen dabei gesellschaftliche Themen wie Willkommenskultur, Inklusion und Integration unter die Lupe genommen werden.

Vorgestellt werden die Ergebnisse der Veranstaltung übrigens noch am gleichen Tag. Ab 18 Uhr sollen sie im Landfried-Komplex der Öffentlichkeit präsentiert und mit dem Publikum auch diskutiert werden. Schirmherrin des Heidelberger Diversity Tages ist die baden-württembergische Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer.

An diesem Dienstag finden in der gesamten Bundesrepublik Aktionen statt, bei denen es um Vielfalt in Unternehmen, Institutionen und Behörden geht (mehr hier). Durchgeführt wird der so genannten Diversity-Tag nun bereits zum zweiten Mal. Premiere des bundesweiten Aktionstags war der 11. Juni 2013. Rund 240 Organisationen und  Unternehmen mit gut zwei Millionen Beschäftigten haben teilgenommen. Auch für 2014 ist die Aktionen-Karte gut gefüllt: Vielfalt soll hörbar und schmeckbar gemacht, ausländische Mitbürger vorgestellt werden. Andere stellen den Erfolgsfaktor Vielfalt heraus oder unterzeichnen kurzerhand gleich selbst die Charta der Vielfalt (mehr hier).

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