Vielfalt in der Führungsetage: Deutsche Stiftungen liegen hinter Dax-Konzernen

Zum zweiten Diversity-Tag am 3. Juni hat der Verein „Citizens For Europe“ (CFE) die personelle Zusammensetzung in den Führungsetagen deutscher Stiftungen unter die Lupe genommen und deren interkulturelle Öffnung untersucht. Das Ergebnis: Unter den Entscheidungsträgern herrscht wenig Vielfalt. Und das, obschon Integration und Chancengleichheit nicht selten Förderschwerpunkte sind.

Wie der Verein „Citizens For Europe“ (CFE) herausfand, hat in den Führungsetagen deutscher Stiftungen lediglich jede elfte Person bzw. neun Prozent einen Migrationshintergrund. Immerhin: Der Bevölkerungsanteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt hierzulane bei 20 Prozent. In der Hauptstadt Berlin sind es mit 26 Prozent sogar noch etwas mehr.

Noch weniger Vielfalt findet sich übrigens in den 30 größten Stiftungen des Landes, wie der Robert Bosch Stiftung, Körber Stiftung oder der Volkswagen Stiftung. In deren Vorstand, Rat oder in der Geschäftsführung gibt es sogar nur drei Prozent Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln.

Das Fazit von CFE: Mit diesem Ergebnis liegen die deutschen Stiftungen deutlich hinter Dax-Konzernen. Deren Vorstände werden mit über 29 Prozent von Menschen mit Migrationshintergrund besetzt, so der Verein.

Stiftungen dürfen den Anschluss nicht verpassen

Dabei hätten gerade Stiftungen in Deutschland eine Vorreiterrolle: Private und öffentliche Stiftungen seien Motoren der gesellschaftlichen Entwicklung. Kulturelle Vielfalt, Integration, Anti-Rassismus und interkultureller Dialog würden oft Schwerpunkte ihrer operativen und fördernden Tätigkeit bilden, heißt es weiter. Dringend muss sich an dieser Situation etwas ändern, so Catherine Wurth, Projektleiterin von „Vielfalt entscheidet“:

„Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Rekrutierung der Führungspositionen Mechanismen folgen, welche die Stiftungen mit ihrem Engagement in der Gesellschaft eigentlich überwinden wollen. Stiftungen dürfen den Anschluss nicht weiter verpassen, sonst gehen ihnen Innovationskraft, Kreativität und gesellschaftliche Repräsentanz verloren.“

Positiv hervorgetan hätten sich demzufolge bereits die Stiftung Digitale Chancen, der Bürgerstiftung Neukölln oder der Stiftung Erinnerung, Zukunft und Verantwortung.

Untersucht wurden rund 3.000 Führungspositionen der Stiftungsorgane wie Beirat, Kuratorium, Rat, Vorstand und Geschäftsführung der 30 größten privaten und öffentlichen Stiftungen Deutschlands sowie weiteren 250 Stiftungen mit Rechtssitz in Berlin.

Kanadisches Projekt soll in Deutschland Schule machen

Vielfalt entscheidet – Diversity in Leadership Berlin“ setzt sich für mehr Vielfalt in Entscheidungsgremien von öffentlichen und privaten Institutionen ein. Citizens For Europe und DeutschPlus – Initiative für eine plurale Republik e.V. möchten zusammen mit Partnern in Berlin und darüber hinaus das kanadische Projekt DiverseCity onBoard der Maytree Foundation auf die Stadt Berlin übertragen.

Ziel des kanadischen Projektes ist es, qualifizierte MigrantInnen in Entscheidungsgremien von Vereinen, Unternehmen und Stiftungen zu vermitteln, um deren Angebot zu verbessern und damit die Wettbewerbsfähigkeit von ganz Toronto zu stärken. Dabei werden Akteure auf lokaler Ebene fokussiert, welche Dienstleistungen für die Stadtbevölkerung zur Verfügung stellen. Dazu gehören Kulturhäuser, Sportvereine, der Nahverkehr, soziale Einrichtungen und viele andere.

An diesem Dienstag veranstaltet CFE in Berlin eine Konferenz zum Thema kulturelle Vielfalt in Führungspositionen.

Mehr zum Thema:

Der „Migrationshintergrund“ ist Geschichte: Heidelberg sucht einen neuen Begriff
Gelebte Vielfalt: Fachkonferenz beschäftigt sich mit der Umsetzung grauer Theorie
„Vielfalt als Chance“: Für ein weltoffenes, starkes und erfolgreiches Deutschland

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.