Deutsche Medien waschen Cem Özdemir rein

Cem Özdemir wird gegen Premier Erdoğan in Schutz genommen. Eine Hysterie geht durch Deutschland. Dabei übersehen viele Medienvertreter, dass Özdemir kein Opfer ist. Doch dem Deutsch-Türken gefällt die Rolle des Gejagten.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir ist aktuell der Liebling der deutschen Medien. Doch dabei geht es faktisch nicht um ihn.

Jede Gelegenheit wird offenbar genutzt, um den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu dämonisieren. So wird beispielsweise fälschlicherweise von einem Einreise-Verbot für Özdemir berichtet. Was viele nicht wissen: Özdemir ist längst kein Thema mehr in der türkischen Medienlandschaft.

Doch wer ist dieser Deutsch-Türke nun wirklich. Stern-Redakteur Jan Rosenkranz schreibt in einem Artikel aus dem Jahr 2008:

„Innenpolitischer Sprecher. Er trägt Autogrammkarten in drei Varianten mit sich herum. Als Bildschirmschoner gibt es ihn auch. Die Medien lieben ihn, und er liebt sich im Großformat. Irgendwann hebt er ab. Popstar ohne Inhalt.“

Sollte diese Einschätzung stimmen, dann müsste sich Özdemir aktuell pudelwohl fühlen.

Cem Özdemir gehört zu den wichtigsten deutschen Unterstützern der neokonservativen US-Denkfabrik „Project for a New American Century“ (PNAC). Die wichtigsten Mitglieder des PNAC sind unter anderem Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz oder auch der Ex-CIA-Chef James Woolsey. Der Journalist Sascha Adamek schreibt in seinem Buch „Die Machtmaschine“, auf Seite 254:

„Cem Özdemir, der gerade zwei Jahre in den USA verbracht hatte, musste indes klar sein, dass es sich bei der PNAC um eine neokonservative und außenpolitisch aggressive Organisation handelt.“

Özdemir wollte Adamek keinerlei Auskünfte über seine Zeit in den USA geben. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Eine besonders unrühmliche Rolle spielte der Deutsch-Türke in der Wikileaks-Affäre. So zeigte sich Özdemir nicht als Verfechter von Meinungs- und Pressefreiheit, sondern als Gegner der Wikileaks-Veröffentlichungen. Wikileaks habe eine „Grenze überschritten, die unserer Demokratie insgesamt nicht guttut“, zitiert Adamek den Grünen-Politiker.

Doch auch im Zuge der Libyen-Krise schlug sich Özdemir auf die Seite der US-Außenpolitik. So kritisierten er und Karl Theodor zu Guttenberg – auch ein Unterstützer des PNAC – die Bundesregierung für ihre Nicht-Teilnahme am Angriff gegen Libyen im Jahr 2011, schreibt Adamek auf S. 261.

„Die Zeit der deutschen Sonderwege in der Libyenfrage muss jetzt endgültig vorbei sein“, zitiert die Rheinische Post Özdemir. Offenbar soll Deutschland seine Außenpolitik nicht selbst bestimmen dürfen.

Noch verwirrender ist seine Position als außenpolitischer Beirat des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft (BVMW). Denn der BVMW ist gegen die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und für die Abschaffung der Erbschafts- sowie Gewerbesteuer.

Zudem setzt sich der BVMW für eine Reform des Kündigungsrechts zugunsten der Arbeitgeber ein und ist für die Abschaffung des Anti-Diskriminierungsgesetzes. Dass ausgerechnet der Deutsch-Türke Cem Özdemir eine Position als Beirat hat, ist verwunderlich – oder auch nicht.

Auch zu Premierminister Erdoğan hat er kein durchgehend schlechtes Verhältnis. Im November 2013 ergriff er überraschend Partei für Erdoğan. Er lies einer unheiligen Allianz die Hintertür offen. Özdemir sagte, dass er kein Fan Erdoğans sei.

Doch im Punkt der Gründung von türkischen Schulen in Deutschland sei Erdoğan schlichtweg falsch verstanden worden. Die Forderung des Ministerpräsidenten sei richtig gewesen (mehr hier).

Es besteht vielleicht noch eine weitere nostalgische Gemeinsamkeit. „Was unsere Urväter vor den Toren Wiens nicht geschafft haben, werden wir mit unserem Verstand schaffen!“, zitiert der Focus Özdemir in einem Artikel aus dem Jahr 1998. So weit sind übrigens Erdoğan und einige neo-osmanische Romantiker innerhalb der AKP noch niemals gegangen. Sie konzentrieren sich auf die Nahost-Region, woraus keine Entlastungs-Funktion abgeleitet werden soll. Özdemir dementierte die Richtigkeit des Osmanen-Zitats.

Deutsche und Deutsch-Türken dürften bei den zahlreichen widersprüchlichen Positionen des Grünen-Politikers Özdemir verwirrt sein.

Doch auch seine Partei-Kollegen sind längst nicht mehr wählbar für die Bürger. Auf die Partei-Beschreibung Akif Pirinçcis wird an dieser Stelle trotzdem verzichtet.

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