EU-Beitritt der Türkei kann Europas Rechte besänftigen

Bei den EU-Wahlen konnten die rechten Parteien Zugewinne verzeichnen. Die Aufnahme der Türkei in die EU kann diesem Trend entgegenwirken und eine Phase der Normalisierung einleiten. Das zumindest behauptet Ahmet Insel von der Galatasaray Universität in einem Interview.

Im EU-Parlament säßen inzwischen Rechtsextreme und anti-türkische Euroskeptiker, meint der türkische Wissenschaftler Ahmet Insel. Gegen extremistische Parteien könne die Türkei in der EU wie ein Gegengift beim Arzt wirken.

„Die Mitgliedschaft der Türkei würde ein Anstieg der islamischen Bevölkerung innerhalb der EU bedeuten“, so Insel. Dadurch wäre die Türkei kein ausländisches Thema mehr. Der Mythos von der Verteidigung der christlichen Zivilisation vor dem Ansturm der Muslime sei dann endgültig aus der Welt. Eine schräge Logik.

Für die Zukunft der EU sieht er die Mitgliedsstaaten in zwei Zirkel aufgeteilt: Der innere Zirkel bemühe sich um die politische Integration in Europa. Der äußere Zirkel sähe die EU als einen gemeinsamen Markt, wie zum Beispiel Großbritannien und Dänemark, sagte Insel in einem Interview mit Hürriyet Daily News.

Die Rolle der AKP bei den Verhandlungen

Die Türkei entferne sich immer mehr von Europa. Die Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) unter Premier Erdoğan werde „mehr und mehr als Bedrohung für die EU-Mitgliedschaft der Türkei“ angesehen. Dies werde als Argument gegen die EU-Mitgliedschaft hergenommen. Auf der anderen Seite stützten sich die Beitrittsbefürworter ebenfalls auf ihn. Er provoziere die Türkeigegner, indem er in die Opferrolle schlüpfe. Durch seine Rhetorik binde er seine Wähler noch näher an sich (mehr hier).

Die AKP stehe sinnbildlich für die Verwirrung der Türkei mit der EU. Zuvor hatte sich die AKP um eine EU-Mitgliedschaft bemüht. Inzwischen fürchte die Gesellschaft einen Identitätsverlust ihres Landes. Indes habe man „Erwartungen, eine Großmacht zu werden“. Auf der einen Seite wolle man zu den wohlhabenden Nationen der EU gehören. Auf der anderen Seite habe man Befürchtungen, Souveränitätsrechte abzutreten.

Abschließend dürfe man nicht vergessen, dass die Türkei bei einer Aufnahme die größte Bevölkerung stellte. „Das ist nichts, was Deutschland und Frankreich einfach so akzeptieren würden“ (mehr hier).

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