Trabzonspor: Der Weg für Halilhodzic ist frei

Nach dem WM-Aus Algeriens ist der Weg für Vahid Halilhodzic zu Trabzonspor frei. Der bosnische Exzentriker dürfte in der kommenden Woche nun auch offiziell vorgestellt werden. Ein Porträt über den 61-Jährigen.

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gelang dem bosnischen Trainer Vahid Halilhodzic mit Algerien die Sensation, die Nordafrikaner erreichten das Achtelfinale. Nach dem unglaublich starken Kampf gegen die Titelfavoriten aus Deutschland verpassten die „Wüstenfüchse“ die nächste Runde. Der Trainer schrieb sich mit dem überraschend starken Auftritt seiner Mannschaft dennoch in die Geschichte des algerischen Fußballs ein. Trotzdem sieht es schwer nach einem weiteren Trainerabgang nach der WM aus. Es gab schon länger Gerüchte, dass der Bosnier Algerien für einen Trainerposten in der Türkei verlassen wird, nach dem Spiel am Montag scheint zumindest sein Abschied von der algerischen Nationalmannschaft sicher. Nach dem Spiel gegen die Löw-Elf ließ sich Halilhodzic nicht mehr an der obligatorischen Pressekonferenz blicken, er verließ das Geschehen durch die Hintertür.

Eine Aktion, die von einem Mann wie Halilhodzic nicht unerwartet kommt. Er war schon immer eine Persönlichkeit, die aneckte – er nimmt nie ein Blatt vor den Mund und wenn ihm eine Frage eines Journalisten nicht passt, so signalisiert er das stets deutlich. Erst kürzlich beschwerte er sich öffentlich über die Schiedsrichter bei der WM. Er ist kein Presseliebling, in Algerien hatten sich die Journalisten regelrecht gegen ihn verschworen. Halilhodzic ließ sich bisher nicht beirren, seine Erfolge sprechen schließlich für sich.

Der heute 61-Jährige hat einen bewegenden Lebenslauf und wurde schon als Fußballer auf dem Feld zu einem bosnischen Idol. Er begann seine Profikarriere als Stürmer 1968 bei Turbina Jablanica, bis er drei Jahre später zu Velez Mostar wechselte. In Mostar wurde der Torjäger bekannt, er schoss 106 Tore in 206 Spielen. Bei der WM 1982 saß er dennoch hauptsächlich auf der Bank. Insgesamt spielte er nur 15 Spiele für das ehemalige Jugoslawien. Seine Meinung zu den wenigen Auftritten mit der Nationalmannschaft: „Wahrscheinlich war mein Name zu lang für die Anzeigetafel in Belgrad.“ Bereits ein Jahr vor der WM 1982 wechselte Halilhodzic nach Frankreich zum FC Nantes, wo er fünf Jahre spielte. Er wurde zweimal Torschützenkönig und gewann 1983 die Ligue 1. Danach spielte er eine Saison für Paris Saint-Germain.

Nach dem Exil in Frankreich hängte er seine Kickerschuhe an den Nagel, wechselte an den Spielfeldrand und wurde Trainer bei seinem alten Klub Velez Mostar. Der Krieg brach aus, er wurde in einem Gefecht 1992 in Mostar verletzt und verlor sein ganzes Hab und Gut. Bis 1993 blieb er in Bosnien, dann zog es ihn zurück nach Frankreich und er wurde Trainer bei AS Beauvais. Seine äußerst erfolgreiche Trainerkarriere begann. Den OSC Lille führte er von der zweiten Liga in die Champions League. 2001 wurde er zum Trainer des Jahres gewählt, er lehrte eine Saison bei Stade de Rennes, bevor er bei einem seiner früheren Arbeitsgebern, dem PSG, für zwei Jahre das Traineramt übernahm. Mit PSG gewann er den Coupe de France und wurde Vizemeister der Ligue 1. Ebenfalls nur eine Saison verbrachte Halilhodzic von 2005-2006 bei Trabzonspor, dem Verein, der allem Anschein nach sein neuer Klub werden wird. Unter dem bosnischen Trainer beendete Trabzonspor damals die Saison auf dem vierten Tabellenrang.

Die erste Position als Nationalcoach übernahm er 2008 bei der Elfenbeinküste. Er führte die „Elefanten“ zur WM-Endrunde in Südafrika 2010, dennoch wurde er noch vor dem Turnier und nach nur einer Niederlage in zwei Jahren sang- und klanglos entlassen. Es war wohl wieder sein knorriger Charakter, der die Verantwortlichen dazu brachte den erfolgreichen Trainer zu entlassen. Er wechselte zu Dinamo Zagreb und holte sich das kroatische Double. 2011 folgte er dem Angebot des algerischen Fußballverbandes und wurde zum zweiten Mal Nationaltrainer in Afrika.

Die Erfolge des besten bosnischen Trainers überhaupt wurden an der diesjährigen WM in Brasilien eindrücklich präsentiert. Algerien, welches für viele als absoluter Underdog und Punkteliferant gehandelt wurde, überraschte in Brasilien die ganze Fußballwelt. Doch dem Verband schien es nicht genug zu sein. In seinem Vertrag stand anscheinend, dass er mit der Mannschaft den Afrika-Cup 2013 gewinnen muss und an der WM das Halbfinale erreichen sollte. Halilhodzic unterschrieb die völlig unrealistischen Bedingungen: „Das passiert mir nicht noch ein mal. Ich war ein bisschen naiv. Ich hatte das für einen Witz gehalten,“ meinte der Bosnier dazu in der englische Presse.

Nach dem historischen Erfolg in Brasilien ist jetzt schon wieder Schluss für Halilhodzic, der Verband hatte es wohl schon länger so entschieden. Der Disziplinfanatiker eckte schon wieder an. Nicht so bei den Spielern, sie waren nach der knappen 1:2-Niederlage gegen Deutschland voller Dankbarkeit für ihren Trainer. Sie verabschiedeten ihn bereits auf dem Feld, wo der sonst so eiserne Bosnier tatsächlich Emotionen zeigte und seine Tränen kaum verstecken konnte. Kapitän Madjid Bougherra mochte die harte und gründliche Arbeitsweise seines Trainers, nach dem Spiel meinte dieser: „Alle danken ihm, alle haben ihn umarmt.“ Auch der „Man of the Match“ der algerische Torhüter Rais M’Bohli quittierte die Leistung des Trainers: „Wir haben ein sehr gutes Niveau erreicht, das haben wir auch ihm zu verdanken.“

Noch ist nichts bestätigt, doch es wird vermutet, dass Halilhodzics nächste Station Trabzonspor in der Spor Toto Süper Lig sein wird. Der Verein aus der türkischen Hafenstadt ist neben Bursaspor im Übrigen der einzige Fußballverein, der nicht aus Istanbul stammt und den Meistertitel errang. Zwischen 1976 und 1984 holte sich Trabzonspor gleich sechsmal den Meistertitel. Seither wollte es der Mannschaft nicht mehr gelingen – vielleicht kehrt Halilhodzic zurück um die Meisterschaftskrise zu unterbrechen? Die letzte Saison beendete Trabzonspor auf dem vierten Rang. Der 61-Jährige Halilhodzic würde von Trainer Hami Mandirali übernehmen und in der nächsten Saison in der Europa League mitspielen. Noch ist nichts bestätigt, wir können also gespannt sein, wer ab dem 29. August 2014 auf der Trainerbank von Trabzonspor sitzen wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

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