Häusliche Gewalt: Mehr als 5000 Frauen in der Türkei konnten nicht wählen

Viele türkische Opfer von häuslicher Gewalt konnten am vergangenen Sonntag nicht wählen gehen. Grund dafür waren Sicherheitsbedenken der Behörden, die einen Urnengang und damit das Verlassen der schützenden Anonymität als zu riskant erachteten. Erst vor Kurzem trat die Istanbul-Konvention in Kraft. Sie soll Frauen vor allen Formen häuslicher Gewalt schützen.

Aktuell befinden sich geschätzte 2500 Frauen in türkischen Schutzunterkünften, die nicht wählen konnten oder wollten. Weitere 3000 Frauen erhielten zu diesem Zeitpunkt Polizeischutz, weil sie um ihr Leben fürchten mussten. Jedes dieser Oper wurde im eigenen Haushalt geschlagen oder misshandelt. Viele dieser Frauen verzichteten auf ihr Wahlrecht. Ihnen ist erschien es aus Sicherheitsgründen weder möglich, ihre sichere Unterkunft zu verlassen, noch ihre Identität preiszugeben. Auch in der Türkei ist im Zuge des Urnengangs eine Identifikation der wählenden Person notwendig.

Frauen werden nicht wählen können

Viele Frauenrechtsorganisationen fordern daher seit längerem die zuständigen Behörden auf, den Frauen eine anonyme Wahl zu ermöglichen. Bislang aber ohne Erfolg: Denn diese entschieden nun, dass die Sicherheit der Frauen Vorrang habe, berichtet die Hurriyet. Die Folge: Die Opfer mussten auch diesmal auf ihr Wahlrecht verzichten.

Die Nachricht kommt zu einem aufsehenerregenden Zeitpunkt. Erst vergangene Woche war die so genannte Istanbul-Konvention in Kraft getreten. Diese Vereinbarung soll Frauen vor allen Formen der Gewalt schützen. Sie wurde bereits im Jahr 2011 von der Türkei und 23 weiteren Staaten unterzeichnet. Das Vertragswerk verpflichtet alle teilnehmenden Länder die Konvention in geltendes Recht umzusetzen (mehr hier).

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Häusliche Gewalt ist in der türkischen Gesellschaft zunehmend ein Thema. Eine Menschenrechtskommission des türkischen Parlaments hatte schon vor zwei Jahren vor zunehmender Gewalt gewarnt. Trotz verschärfter Gesetze in den vergangenen Jahren waren zwischen 2008 und 2011 ganze 263.506 Gewalttaten bei der Polizei gemeldet worden. Die Dunkelziffer dürft höher liegen. In Sachen geschlechterspezifischer Gewalt scheint die Millionenmetropole Istanbul einen traurigen ersten Platz einzunehmen. Hier ist es für Frauen statistisch am gefährlichsten. Istanbul weist mehr Fälle häuslicher Gewalt als Anatolien auf (mehr hier).

Dass Frauenrechte in der türkischen Gesellschaft zunehmend ernst genommen werden, zeigt jedoch die jüngste Vergangenheit. Die Äußerungen des stellvertretenden Premierministers Bülent Arınç über zu fröhliche Frauen in der Öffentlichkeit hatten zu großem Unmut geführt. Seine Äußerung führte zu einer heftigen Reaktion in den neuen Medien. Viele Frauen ließen sich lachend fotografieren und verbreiteten die Bilder auf dem Kurznachrichtenportal Twitter.

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