Türkischer Geheimdienst: Gespräche mit BND auf höchster Ebene

Aufgrund der anhaltenden Spionageaffäre in der Türkei telefonierte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier. Nun soll es zu Gesprächen zwischen den beiden nationalen Auslandsgeheimdiensten kommen. Die Ereignisse werfen die Frage auf, ob die Türkei nur Spionageziel des Bundesnachrichtendiensts ist? Die Ereignisse werfen die Frage auf, ob nur der Bundesnachrichtendienst die Türkei ausspioniert hat.

Am Abend des 18. August rief der türkische Außenminister seinen deutschen Amtskollegen an. Davutoğlu brachte in dem Gespräch seine Verärgerung darüber zum Ausdruck, dass Deutschland einen langjährigen NATO-Partner ausspioniert hatte. Im Rahmen des Bündnisses sind bis zum heutigen Tag deutsche Truppen nahe der syrischen Grenze stationiert. Nun sollen die Vertreter des deutschen Geheimdienstes BND vor ihren türkischen Kollegen Zeugnis über ihre Tätigkeit ablegen. Die Gespräche zwischen den Geheimdiensten sollen schon bald beginnen.

Vorgehen Deutschlands ist „inakzeptabel“

„Ein alliiertes Land als geheimdienstliches Ziel zu benennen ist gegen den Geist des Bündnisses“, ließen diplomatische Quellen aus dem Umfeld Davutoğlus verlauten, berichtet die Hurriyet. Der türkische Außenminister soll seinem Amtskollegen weiterhin gesagt haben, dass ein solches Verhalten „inakzeptabel“ sei. Am Morgen desselben Tages war der deutsche Botschafter zu einem Gespräch ins Außenministerium geladen worden (mehr hier). Er sollte das Verhalten Deutschlands restlos aufklären, so die Zeitung Sabah. Ausschlaggebend für die diplomatischen Spannungen war die deutsche Berichterstattung der vergangenen Tage gewesen. Hier kamen die brisanten Informationen über die Spionageaktivität Deutschlands ans Licht.

Brisante Unterlagen von enttarntem US-Spion

Die Unterlagen, die zum Skandal führten, sind eigentlich hoch vertraulich. Sie stammen aus einem Fundus von Informationen, die ein deutscher Nachrichtendienstmitarbeiter dem amerikanischen Nachrichtendienst zukommen ließ, so die Hurriyet. Der Doppelspion wurde enttarnt und arbeitet mittlerweile nicht mehr für den deutschen Geheimdienst. Das führte zu neuen Spannungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Auch das Diensttelefon der Bundeskanzlerin war abgehört worden.

Erst vor einem Jahr wurde die umfangreiche Geheimdiensttätigkeit der USA in Europa und besonders in Deutschland bekannt. Der britische Geheimdienst GCHQ war darin auch mitverstrickt (mehr hier). Das Entdecken des Doppelspions hatte nun zu erneutem Ärger geführt. Deutschland wies daraufhin den Geheimdienst-Attaché der US-amerikanischen Botschaft faktisch aus.

Die deutsche Regierung hatte die Spionageaktivität mit der eigenen nationalen Sicherheit begründet. Sowohl die türkische Regierung, aber auch die Terrororganisation PKK, sowie weitere politisch extreme Gruppierungen würden ihre teils kriminellen Interessen über Vereine in Deutschland durchsetzen. Doch auch die aktuelle politische Lage im Nahen Osten wirft die Frage auf, ob nicht weitere Dienste aktiv sind.

Wie die Hurriyet feststellt, ist die Türkei als Regionalmacht dafür prädestiniert. Sie liegt inmitten zahlreicher Krisenherde. Angefangen beim nun schon Jahre andauernden syrischen Bürgerkrieg, über den Konflikt im Gazastreifen, bis hin zum Konflikt zwischen der Ukraine und Russland (mehr hier). Erst vergangene Woche war die Türkei für Ausfälle auf dem russischen Agrarmarkt eingesprungen (mehr hier).

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