Türkischer Präsident Gül: Ahmet Davutoğlu soll neuer Ministerpräsident werden

Die Gerüchte um die Neubesetzung des türkischen Ministerpräsidentenamts scheinen sich zu bewahrheiten. Als aussichtsreicher Kandidat für den ausscheidenden Premier Recep Tayyip Erdoğan kam schnell der amtierende Außenminister Ahmet Davutoğlu zur Sprache. Nun hat sich der scheidende Staatspräsident Abdullah Gül für dessen Wahl ausgesprochen.

Nachdem der amtierende Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan Anfang August zum neuen Staatspräsident gewählt wurde, hatten türkische Medien über die Neubesetzung seines Amtes gerätselt. Der amtierende Außenminister Davutoğlu galt schnell als aussichtsreicher Nachfolger. Er stand in allen entscheidenden Fragen hinter dem Ministerpräsident und AKP-Vorsitzenden Erdoğan und gilt in Parteikreisen als loyal.

Parteigremium tagt in einer Woche

Als höchster Amtsinhaber hat sich nun auch Staatspräsident Gül für Davutoğlu ausgesprochen, berichtet die Hurriyet. Es sehe so aus, als würde der amtierende Außenminister das Amt des Regierungschefs übernehmen. Er selbst habe ihn in die Politik gebracht und werde ihn deswegen auch unterstützten, sagte Gül im Gespräch mit Pressevertretern in Ankara. Der Nachfolger Erdoğans wird im Laufe dieser Woche durch das Exekutivkomitee der AKP bestimmt werden (mehr hier). Es ist wahrscheinlich, dass dieser wie in der Vergangenheit sowohl Vorsitzender der AKP als auch Ministerpräsident werden wird. Auch wenn Güls Aussagen Gewicht haben, das letzte Wort hat das Parteigremium.

Güls Zukunft fraglich

Davutoğlu, der sich im Rahmen seiner universitären Ausbildung mit Internationalen Beziehungen beschäftigte, war bereits im Jahr 2003 Chefberater für Außenpolitik geworden. Im Anschluss wurde er zum Botschafter ernannt und im Jahr 2009 das erste Mal Außenminister. Ins Parlament wurde Davutoğlu das erste Mal im Jahr 2011 gewählt.

Gül selbst hatte zunächst angegeben, dass er nach seinem Amtsende am 28. August zurück in die Tagespolitik kehren werde (mehr hier). Er wolle weiterhin dem Wohlbefinden seiner Partei und seiner Gründer dienen, so Gül. Was genau seine Position sein wird, bleibt aber bis dato unklar. Wie die Sabah berichtet, äußerte Gül, dass er sich vorstellen könne, in Istanbul zu leben.

Für Aufsehen hatte das Datum gesorgt, an dem sich das Exekutivkomitee trifft. Es ist ein Tag bevor Gül aus dem entlassen wird. Laut AKP-Statuten kann er deswegen für kein Amt nominiert werden. Spekulationen über Spannungen zwischen Erdoğan und dem amtierenden Staatspräsident sind nicht völlig von der Hand zu weisen. In der jüngeren Vergangenheit war es immer wieder zu Unstimmingkeiten zwischen dem Staatsoberhaupt und dem Ministerpräsident gekommen. Erdoğan und Gül kennen sich seit langer Zeit und sind beide Gründungsmitglieder der AKP.

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