Rückblick: So wählte die Türkei ihren Staatspräsidenten

Vor zehn Tagen hat die Türkei ihren neuen Staatspräsidenten gewählt. Viele im Ausland lebende Türken durften schon früher wählen. Auch wenn Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan schon als Sieger feststeht, lohnt ein Rückblick: Wer waren die Sieger und Verlierer, Wer ging wählen und wer nicht?

Zum ersten Mal in der Geschichte der Türkei durften die Bürger ihren Staatspräsidenten direkt wählen. Doch das ist nicht der einzige Grund, sich mit dem Wahlergebnis auseinanderzusetzen. Viele türkische und europäische Medien sehen hier eine historische Zäsur. Mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan als Staatsoberhaupt wird sich einiges ändern. Sollten die Parlamentswahlen im nächsten Jahr laufen wie die AKP erwartet, wird die Partei in der Lage sein aus der Türkei ein präsidentielles Regierungssystem zu machen. Das würde dem neuen Staatspräsidenten gewaltige politische Macht einräumen.

Die Gewinner und Verlierer

Der unumstößliche Sieger der Wahl ist Ministerpräsident Erdoğan (mehr hier). Für ihn votierten fast 52 Prozent der Wähler. Der größte Verlierer dürfte jedoch die nationalistische MHP sein. Viele ihrer Wähler gaben ihre Stimme dieses Mal entweder für die AKP ab oder gingen gar nicht wählen. Im Vergleich zu vorherigen Wahlen konnte sich die CHP besser behaupten. Trotz des umstrittenen Kandidaten Ekmeleddin İhsanoğlu, den die CHP mit der MHP aufstellte, holte dieser über 38 Prozent der Stimmen. Verhältnismäßig erfolgreich war der prokurdische Kandidat Selahattin Demirtaş. Er holte sehr überraschend fast zehn Prozent der Stimmen. In der Türkei selbst gingen 77 Prozent der Wahlberechtigten in die Wahlbüros.

Die Wahl in der Türkei im Ausland

Überraschend war das Ergebnis der Auslandswahlen (mehr hier). Das erste Mal durften die im Ausland lebenden Türken in zahlreichen Wahlbüros in der ganzen Welt ihre Stimme abgeben. Die Wahlbeteiligung war dabei erschreckend gering. Lediglich etwas über acht Prozent der Wahlberechtigten nahmen teil. Von ihnen wählte der überwiegende Teil Erdoğan. Die Auftritte im Ausland scheinen nicht folgenlos geblieben zu sein. Über 62 Prozent der Auslandtürken wählten den noch amtierenden Ministerpräsident.

Mehr Nicht-Wähler als bei anderen Wahlen

Die Türkei gehört eigentlich zu den Staaten der Welt, die eine hohe Wahlbeteiligung haben. Verglichen mit anderen Wahlen, war die Wahlbeteiligung in diesem Jahr allerdings gering. Wie die Hurriyet berichtet, gingen alleine im Bereich Istanbul 2,7 Millionen Wähler nicht zur Wahlurne. Damit sind ist die Wahlbeteiligung die niedrigste seit 1977. Scheinbar sind besonders CHP-Anhänger der Wahl fern geblieben, schätzungsweise gingen 18 Prozent CHP Wähler nicht zur Wahl. Im Vergleich zu vorherigen Wahlen konnte die AKP zehn Prozent ihrer Anhänger nicht zur Wahl bewegen, glich das aber mit etlichen MHP-Wählern aus, die sich dazu entschieden ihre Partei nicht mehr zu unterstützen.

Geographisch betrachtet bot die Wahl wenige Überraschungen. Die CHP konnte die Küstenregionen im Westen und Süden der Türkei für sich behaupten. Auch die Provinz Eskisehir im Landesinneren stimmte für den Kandidat der CHP ab. Die pro-kurdische HDP wurde besonders im süd-östlichen Teil des Landes gewählt. Präsident Erdoğan behauptete 55 Provinzen für sich im Zentrum der Türkei.

Bei allem Lob ausländischer Stellen für die Wahl in der Türkei, gab es auch Kritik. Ein großes Problem sei der Wahlkampf in den Medien gewesen. Hier sei der Umfang der Parteiwerbung nicht ausgeglichen gewesen, sagte Vilija Aleknaitė-Abramikienė, die die Wahlen für die OSZE in der Türkei beobachtete. „Die direkte Wahl des Präsidenten markiert nur den Anfang einer neuen Phase der demokratischen Entwicklung in der Türkei. Wir werden unsere Arbeit mit der Türkei fortsetzten und ihre Bemühungen, die Standarts des Europäischen Rates zu erfüllen, unterstützen“, sagte Meritxell Mateu Pi, die den Europäischen Rat während der der Wahl in der Türkei vertrat.

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