Staatspräsident Erdoğan: Wiedervereinigung Zyperns unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Der neue türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat Nordzypern besucht. Dort sprach er von einer Wiedervereinigung des Inselstaates, knüpfte diese jedoch an Bedingungen. Es war die erste Auslandsreise des neuen Staatsoberhauptes.

Während seines Besuches forderte Erdoğan Griechenland auf, bei der Lösung des Problems mehr „guten Willen“ zu zeigen und eine aktivere Rolle einzunehmen. Eine Wiedervereinigung käme für die Türkei nur in Frage, wenn es sich um einen Föderation zweier Staaten mit politischer Gleichheit handle, so der Präsident.

Wiedervereinigung unter bestimmten Gegebenheiten möglich

„Jeder soll wissen, dass die Türkei eine Regierung der griechischen Zyprioten, die die türkischen Zyprioten zu einer Minderheit macht, niemals akzeptieren wird“, zitiert die Cyprus-Mail den Staatspräsident. Die zypriotische Regierung erklärte, dass die Äußerungen Erdoğans nicht in Einklang mit den Plänen der UN wären. Der zypriotische Regierungssprecher, Nikos Christodoulides, merkte an, dass es sich um leere Worte seitens der Türkei handle. Diese sei alleine für die Besetzung des nordzypriotischen Teils verantwortlich, so das Blatt. Bei einer Pressekonferenz kurz vor dem Abflug Erdoğans, stellte dieser klar, dass auch die Vereinten Nationen mehr für die Lösung des Konflikts tun müssten, so Anadolu.

Bis heute sind 35.000 türkische Soldaten auf der Insel

Die Teilung Zyperns besteht seit 1974 und spaltet Zypern in einen griechisch dominierten Süden und einen türkischen Norden. Die Türkei reagierte zuvor mit einer militärischen Intervention auf einen Putschversuch. Dieser wurde damals von der Militärjunta vorangetrieben, so Anadolu. Im Zuge eines langen Konfliktes kam es immer wieder zu vielen zivilen Opfern. Im Jahr 1983 erklärte sich der nördliche Teil Zyperns für unabhängig, wird aber nur von der türkischen Seite anerkannt. Bis heute sind 35.000 türkische Soldaten in Zypern stationiert. Die beiden Landesteile werden durch die entmilitarisierte „Grüne Linie“ getrennt, die von UN-Blauhelmsoldaten bewacht wird. Die Linie führt durch die südzypriotische Inselhauptstadt Nikosia und durch die nordzypriotische Hauptstadt Lefkosa, die vor der Teilung eine Stadt bildeten. Der südliche Teil gehört zur Europäischen Union und nutzt den Euro als Zahlungsmittel, so das Auswärtige Amt.

Neue Verhandlungen

Nach einigen gescheiterten Gesprächsanläufen waren die Verhandlungen im Februar wieder aufgenommen worden. Immer wieder wird die Türkei von den griechischen Zyprioten aufgefordert ihre Truppen abzuziehen. „Wenn wir den Annan-Plan akzeptieren, lehnen ihn die griechischen Zyprioten ab. Nun sagen sie, dass wir unsere Truppen abziehen sollen“, sagt Erdoğan im Worldbulletin. Der südliche Teil der Insel könne den Norden nicht repräsentieren. Der Annan-Plan wurde durch den letzten Generalsekräter der Vereinten Nationen, Kofi Annan, vorgelegt und sollte zur friedlichen Einigung Zyperns führen.

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