Stellvertretender Premier Arınç: Türkische IS-Geiseln sind nicht in Gefahr

Fast drei Monate nach der Erstürmung des türkischen Konsulats in Mossul, gibt der stellvertretende Premier Bülent Arınç nun den aktuellen Stand über die türkischen Geiseln bekannt. Die Regierung stünde in Kontakt mit dem Konsulat und kenne zumindest den Aufenthaltsort der von IS-Terroristen verschleppten Personen.

Die türkische Regierung hat am Montag den aktuellen Kenntnisstand zu den türkischen IS-Geiseln im Nordirak bekannt gegeben. Nach deren Einschätzung bestünde für die Menschen derzeit keine Gefahr. Auf eine baldige Rückkehr sollten die Angehörigen jedoch nicht hoffen.

„Glücklicherweise sind sie am Leben. Ihr Aufenthaltsort ist bekannt. Wir haben Kontakt zu ihnen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den stellvertretenden Premier und Regierungssprecher Bülent Arınç bei einer Pressekonferenz anlässlich der ersten Kabinettssitzung. Aufgrund der „besonderen Situation“ sei es der Regierung bislang jedoch nicht möglich, die Geiseln in die Türkei zurückzuholen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) entführte am 11. Juni dieses Jahres insgesamt 49 Menschen aus dem türkischen Konsulat in Mossul (mehr hier). Unter den Geiseln befinden sich 46 türkische Staatsangehörige. Türkischen Diplomaten zufolge sollen diese Anfang Juli an einen anderen Ort in der Nähe der Stadt gebracht worden sein. Seither bangen die Angehörigen um ihre Familienmitglieder. Neue Informationen drangen nicht an die Öffentlichkeit. Die jüngsten Berichte über das brutale Vorgehen der IS dürften die Ängste in der Türkei nun aber zusätzlich angeheizt haben.

Der Bundestag hatte an diesem Montag den geplanten Waffenlieferungen in den Irak mit großer Mehrheit zugestimmt. Wie die Tagesschau berichtet, soll die kurdische Armee im Nordirak unter anderem 500 Panzerabwehrraketen, 16.000 Sturmgewehre und mehrere Millionen Schuss Munition für ihren Kampf gegen die IS erhalten. Zudem würden einzelne kurdische Peschmerga-Kämpfer im Bundeswehr-Übungszentrum im unterfränkischen Hammelburg ausgebildet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die deutschen Waffenlieferungen verteidigt (mehr hier). Ihr zufolge stünde in Anbetracht des IS-Terrors auch die Sicherheit Deutschlands und Europas auf dem Spiel. In einer Regierungserklärung im Bundestag warnte die Kanzlerin vor der weitreichenden Destabilisierung einer ganzen Region. Immerhin wirke sich der Konflikt vor allem auf Nachbarländer wie Jordanien und die Türkei aus. IS habe in den vergangenen Wochen „unfassbare Gräueltaten“ begangen. „Wir standen vor der Wahl, kein Risiko einzugehen, nicht zu liefern und letztlich die Ausbreitung des Terrors hinzunehmen, oder diejenigen zu unterstützen, die verzweifelt, aber mutig, mit knappsten Ressourcen gegen den grausamen IS-Terror kämpfen“, so Merkel. Man habe die Chance, Menschenleben zu retten und zu verhindern, dass sich die Terroristen einen weiteren sicheren Rückzugsort schaffen.

Die Türkei hingegen ist irritiert über die geplanten deutschen Waffenlieferungen an die Kurden: Nach Ansicht Ankaras könnten die Waffen in die Hände der immer noch als Terror-Organisation eingestuften PKK gelangen (mehr hier).

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