Kumpel bei erneutem Grubenunglück in Soma gestorben

Knapp vier Monate nach dem verheerenden Grubenunglück von Soma ist in dem westtürkischen Bergwerksort erneut ein Kumpel bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der junge Mann konnte zunächst von seinen Kollegen geborgen werden, starb jedoch auf dem Weg ins Krankenhaus. Was sich genau unter Tage zugetragen hat, ist bislang unklar.

Erst vor vier Monaten hatte Soma mehr als 300 tote Kumpel zu beklagen. Am Dienstag starb nun erneut ein Arbeiter. Das verheerende Minenunglück im Mai war der bisherige Höhepunkt zahlreicher tragischer Unglück unter türkischem Boden und führte zu zahlreichen Massenprotesten.

Der 36-jährige Familienvater sei am Dienstag vermutlich durch einen umstürzenden Balken in einem privat betriebenen Kohlebergwerk schwer verletzt worden, meldet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf ihre türkischen Kollegen von Anadolu. Er sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Die Unfallursache werde untersucht.

In Soma waren am 13. Mai beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei 301 Kumpel ums Leben gekommen. Ausländische Hilfe wurde damals zurückgewiesen (mehr hier).

In der Türkei fordern Unfälle in Kohlebergwerken immer wieder Menschenleben. Die bis zu diesem Zeitpunkt größte Katastrophe in einer Mine ereignete sich 1992 in der Provinz Zonguldak am Schwarzen Meer. Eine Gasexplosion in einer Zeche forderte damals 263 Menschenleben, berichtet die Hürriyet Daily News. Sei 1941 hätten in der Türkei über 3.000 Menschen ihr Leben durch derlei Katastrophen verloren. Die meisten Unfälle ereigneten sich durch Feuer, Erdrutsche oder Explosionen. 2013 fielen acht Arbeiter einer Methangas-Explosion zum Opfer. 2010 sind bei einer Explosion 30 Menschen in einem Werk in Zonguldak gestorben. 2009 mussten in Mustafakemalpaşa 19 Menschen ihr Leben lassen. 103 Minenarbeiter wurden 1983 in Armutçuk getötet.

Die türkische Polizei ging nach dem Grubenunglück im Mai mit äußerster Härte gegen Demonstranten vor. Schauplatz der heftigsten Auseinandersetzungen war Izmir. Mehrere Tausend Menschen gedachten dort in einer 24-Stunden-Kundgebung der Opfer des Grubenunglücks von Soma. Die Beamten begegneten ihnen mit Tränengas und Wasserwerfern (mehr hier).

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