Türkische Gemeinde in Deutschland: Muslime werden im Stich gelassen

Erdoğan konnte seine Anhänger in Deutschland erfolgreich mobilisieren: Sein Wahlsieg fiel unter den Deutsch-Türken deutlich höher aus als in der Türkei selbst. Der Grund: Deutsch-Türken fühlen sich in Deutschland diskriminiert, während sich Erdoğan um die Menschen „kümmert“.

DTN: Warum sehen gerade viele Deutschtürken so zu Ministerpräsident Erdoğan auf?
Von den wirtschaftlichen Verbesserungen haben sie in Deutschland nicht profitieren können, weiterhin waren viele seit vielen Jahren nicht mehr in der Türkei oder waren dort wohnhaft. Gibt er ihnen eine Identität mit Aktionen, wie bei seinen Auftritten in Essen und in Deutschland?

Demir: Meines Erachtens gibt er durch seine Auftritte hier in Deutschland den Jugendlichen und den Menschen hier den Eindruck, dass er sich um sie kümmert. Das fruchtet natürlich auch deshalb weil man sich als Mensch mit Migrationshintergrund hier in allen gesellschaftlichen Bereichen diskriminiert fühlt. Das ist wirklich auch der Grund. Es würde vielleicht nicht fruchten, wenn man hier besser partizipieren könnte, wenn man integriert sein würde.

DTN: Diese Diskriminierung von der sie sprechen, inwieweit äußert sich diese in ihrem Alltag?

Demir: Ich persönlich habe immer versucht meinen Sohn vor Diskriminierung und Rassismus zu schützen, gerade was sein schulisches Leben anbelangt, aber auch in seinem privaten Umfeld. Ich habe dann die Erkenntnis gemacht, dass ich ihn nicht schützen konnte. Er musste seine Erfahrungen selbst machen, was mir auch schlaflose Nächte bereitet hat. Ich habe das insbesondere durch meinen Sohn erlebt.

Es muss weiter für eine allgemeine doppelte Staatsbürgerschaft gekämpft werden

DTN: Sie sprachen in einem Interview vor einigen Wochen, dass Anerkennung auch etwas mit der doppelten Staatsbürgerschaft zu tun hat. Sind sie mit der neuen Regelung der Regierung zufrieden?

Demir: Sie ist unzureichend, auch wenn sie einen wesentlichen Fortschritt darstellt gerade was Jugendliche mit Migrationshintergrund anbelangt. Drittstaatler haben nun bessere Möglichkeiten. Aber es war generell ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen daran festhalten und weiter für die allgemeine doppelte Staatsbürgerschaft auch kämpfen.

DTN: Betrachten sie eine zunehmende Islamophobie in Deutschland?

Demir: Ja, natürlich. Das sehen wir. Parallel zur Islamophobie steigen die Angriffe auf Moscheen, das belegen die Statistiken der Bundesregierung und das bereitet uns Sorge. Es muss einfach einen anderen, positiv besetzten Diskurs in der Gesellschaft über Islam und Moslems stattfinden. Sie werden gleichgesetzt mit Fanatismus und Islamismus, dem muss man entgegentreten. Deshalb fordern wir Politiker dazu auf, auch öffentlich die Anschläge auf Moscheen zu verurteilen. Das fehlt vielen Muslimen, sie fühlen sich im Stich gelassen.

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