Nach Gezi-Park Mord: Erstmals türkischer Polizist zu Haftstrafe verurteilt

Ein Jahr nach den Gezi-Park-Protesten wurde nun erstmals ein Polizist wegen des Todes eines Demonstranten verurteilt. Die Staatsantwaltschaft hatten 26 Jahre Haft gefordert. Da der Polizist aber "provoziert" worden sei, verhängte das Gericht nur acht Jahre Gefängnisstrafe.

Mehr als ein Jahr nach den Gezi-Protesten in der Türkei ist ein Polizist erstmals wegen des Todes eines Demonstranten zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in Ankara verurteilte ihn am Mittwoch wegen Totschlags zu sieben Jahren, neun Monaten und zehn Tagen Gefängnis. Dem Polizisten war vorgeworfen worden, am 1. Juni 2013 in Ankara den 26-jährigen Demonstranten Ethem Sarisülük erschossen zu haben.

Das Gericht wies die Argumentation der Verteidigung zurück, dass der Polizist bei der gewalttätigen Demonstration zur Selbstverteidigung geschossen habe. Es urteilte aber, der Todesschütze sei provoziert worden, so die dpa. Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens 26 Jahre Haft für den Polizisten wegen Mordes gefordert (mehr hier). Sarisülüks Familie kritisierte das Urteil nach einem Bericht der Zeitung «Hürriyet Daily News» als zu milde und kündigte Berufung an.

Der Schuss auf Sarisülük war auf Video festgehalten worden. Amnesty International hatte nach den Gezi-Protesten kritisiert, die Polizei werde für gewalttätige Übergriffe nicht bestraft (mehr hier). Die landesweiten Proteste gegen die Regierung im vergangenen Sommer hatten mindestens sieben Menschen das Leben gekostet.

Mehr zum Thema:

Gezi-Park-Proteste: Jetzt soll Deutschland schuld sein
Istanbul: Polizei sperrt erneut Gezi-Park wegen geplanter Demo
Gezi Park Proteste: Mindestens 22 Journalisten verlieren ihren Job

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.