Erdoğan und Putin treiben Energie-Allianz voran

Die EU und die USA arbeiten an neuen Sanktionen gegen Russland. Die Präsidenten Erdoğan und Putin vertiefen hingegen ihre Energie-Allianz. Russland ist der zweitgrößte Handelspartner der Türkei und entscheidend für die türkische Energie-Sicherheit.

Auch wenn die Staatschefs der europäischen Union sich jüngst dazu entschlossen haben, die neuen Sanktionen gegen Russland vorerst auszusetzten, verläuft ein tiefer Graben durch die europäisch-russischen Beziehungen. Aus dieser Situation bilden sich neue strategische Partnerschaften. Die Türkei wird zu einem ernst zu nehmenden Partner des Kremls. In vielen Bereichen arbeiten die Staaten zusammen, besonders auf dem Energiemarkt ergänzen sie sich. Während sich Russland zunehmend vom Westen abwendet, rückt die Türkei näher an das Land heran. Zuletzt war die Türkei für Nahrungsausfälle durch die jüngsten Sanktionen eingesprungen.

Gemeinsame Energievorhaben

In Sachen Energie arbeiten die Länder schon länger erfolgreich zusammen. „Unsere Beziehungen sind stabil was Gas anbelangt und auch in anderen Dingen“, zitiert ITAR-TASS den türkischen Energieminister Taner Yildiz. Während Russland auch die Türkei mit Gas versorgt, will man in Ankara von weiteren Energieimporten unabhängiger werden. In der Türkei wächst die Stromnachfrage um mehr als fünf Prozent im Jahr, weil Bevölkerung und Wohlstand immer weiter zunehmen. Zahlreiche neue Kraftwerke sind geplant. Die Kohle steht dabei als wichtigste einheimische Energiequelle unter enormem Produktionsdruck. Das gilt vor allem für Braunkohle, wie sie in der Unglücksgrube in Soma gefördert wurde. Steinkohle hat die Türkei wenig und muss das meiste importieren, eigenen Abbau gibt es in der Schwarzmeer-Region (mehr hier). Um von diesen Importen unabhängiger zu werden sollen nun russische Unternehmen das erste von mehreren geplanten Atomkraftwerken bauen. In der Provinz Mersin am Mittelmeer soll das Kraftwerk Akkuyu entstehen, das mit russischer Hilfe gebaut wird. Die Kooperation beruht auf einem gemeinsamen Abkommen, dass die Regierungen bereits im Jahr 2010 gegenseitig unterzeichneten.

Ausbildung türkischer Fachkräfte in Russland

Weiterhin werden schon seit längerer Zeit junge türkische Fachkräfte für ihren Einsatz in den entstehenden Atomkraftwerken ausgebildet (mehr hier). Auch in Zukunft werde man Fachkräfte für den Einsatz in den Atommeilern in Russland ausbilden lassen bestätigte Yildiz, laut ITAR-TASS. Schon im Jahr 2013 waren mehr als 200 Türken ausgebildet worden.

„Wenn die Türkei ein ordentlich entwickeltes Atomprogramm auf die Beine stellen und künftig vier Atomkraftwerke haben will, dann sollte die Türkei seine eigene nukleare Bildung entwickeln“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Rauf Kasumov, stellvertretender Generaldirektor von „Akkuyu NGS Elektrik Üretim A.Ş.”, der mit dem Bau der ersten türkischen Anlage in Akkuyu betraut ist (mehr hier). Erst vor kurzem hat die Türkei ihre ersten beiden Kernkraftwerk-Projekte in trockene Tücher gebracht. Eine Anlage liegt in russischer Hand (mehr hier), eine zweite wird von einem japanisch-französischem Konsortium gebaut (mehr hier). Ziel der Regierung ist es, auf diesem Weg die Erdgas-Importe über die nächsten zehn Jahre zu reduzieren. Die von Kritikern immer wieder dargelegten Schattenseiten dieser Vorhaben werden offenbar bewusst in Kauf genommen (mehr hier).

Kampf um die amerikanische Leitwährung

Die beiden Länder entfernen sich auch zunehmend von der amerikanischen Leitwährung. Erst kürzlich beschlossen die Staatschefs ihre gemeinsamen Geschäfte in den jeweiligen Landeswährungen abzuwickeln (mehr hier). Russland wendet sich auch in anderen Regionen zunehmend vom Dollar ab. Ein weiterer Partner ist auch China. Russland und China werden Energie Im-und Exporte nicht mehr in Dollar abwickeln.

Erstmals sollen Erdöl-Exporte aus der Arktis nach Europa in Höhe von 80.000 Tonnen in der russischen Währung abgerechnet werden. Der russische Energie-Riese Gazprom hat dort Förderungsrechte über 230 Millionen Tonnen Erdöl und 270 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Energieträger-Lieferungen über die Östliche Sibirisch–Pazifische-Öl-Pipeline sollen in der chinesischen Währung Yuan abgerechnet werden. Russland wird ab 2018 China mit jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas versorgen. Die Vereinbarung soll 2048 auslaufen. Der Wert des Abkommens beträgt 400 Milliarden US-Dollar.
Die Amerikaner halten diesen Deal für besonders ärgerlich, weil er klar ein politischer Deal ist: Russland verkauft sein Gas zu wesentlich billigeren Preisen als die Europäer dafür bezahlen müssen. Rein wirtschaftlich ist der Deal für Russland kein gutes Geschäft. Politisch könnte er jedoch dazu beitragen, dass sich die Kräfte in der Weltpolitik in Richtung Osten verschieben. Die Ablösung des US-Dollars als Weltwährung wird weltweit beschleunigt.

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