Amerikanische Moral: Merkel entschuldigt sich nicht für Türkei-Spionage

Deutschland wird sich nicht für die Lauschangriffe in der Türkei entschuldigen. Es wird auch in der Zukunft kein „No-Spy-Abkommen“ mit der Türkei geben. Deutschland verhält sich somit in der Türkei wie Washington zu Berlin.

Deutschland scheint nicht aus der Spionageaffäre im eigenen Land gelernt zu haben. Wie ein anonymer Informant aus Regierungskreisen bekannt gab, wird Merkel sich nicht bei Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdoğan für Deutschlands Vorgehen entschuldigen. Auch ein so genanntes „No-Spy“-Abkommen zur Beendigung des Lauschangriffs stehe derzeit nicht zur Debatte. Das soll ein deutscher Minister so bestätigt haben. Nachdem deutsche Medien die Spionageaktivitäten des deutschen Auslandsgeheimdienstes in der Türkei enthüllten, wurde jüngst bekannt, dass auch andere Staaten das Land ausgehorcht haben. Neben dem BND haben auch amerikanische und britische Geheimdienste in der Türkei gearbeitet. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan traf sich mit dem amerikanischen Präsident Barack Obama und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des NATO-Gipfels. Dieser fand im walisischen Cardiff am 4. und 5. September statt. Es war der erste Auftritt Erdoğans als Staatsoberhaupt der Türkei auf internationaler Ebene.

Keine Entschuldigung

„Ich werde auf dem NATO-Gipfel darüber auch mit Frau Merkel sprechen“, zitiert die Hurriyet Erdoğan vor einigen Tagen. Wann er sich mit der deutschen Bundeskanzlerin traf ist nicht bekannt. Hochrangige Vertreter der USA und Großbritannien wurden bereits in der Türkei einbestellt, um das Problem zu erläutern. Von deutscher Seite wird es jedoch anscheinend keine Entschuldigung geben. Wie das Blatt berichtet heißt es aus deutschen Regierungskreisen, dass es keine offizielle Entschuldigung geben werde. In der Türkei selbst blieb auch von offizieller Seite die Aufregung in gelenkten Bahnen. Der nicht namentlich bekannte Vertreter sagte, dass der Spionageumfang in der Türkei in keinem Verhältnis zu dem stehen würde, was die USA in Deutschland getan hätten. Der Informant stellte heraus, dass kein ideologisches Motiv hinter dem Vorgehen des deutschen Geheimdienstes gestanden hätte.

Lauschangriff von Zypern aus

Ein Großteil der Telekommunikation im Nahen Osten und in der Türkei seien indes von der Insel Zypern aus abgehört worden, so Worldbulletin. Der nordzypriotische Politiker und Rechtsanwalt Baris Mamali warnte die westlichen Geheimdienste CIA, NSA und den britischen MI6 davor, die Insel somit zu einem geopolitisch wichtigen Anschlagsziel zu machen. Besonders die britischen Dienste würden den Standort stark nutzen, dass sie seit 1960 einen vertraglichen Anspruch auf diese haben.    

Mehr zum Thema

Greenwald: „US-Dienste haben großes Interesse an Banking und Geldflüssen“
Türkische Gemeinde in Deutschland: Vorgehen des BND diffamierend
Angeblicher Geheimnisverrat: Türkischen Journalisten drohen langjährige Haftstrafen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.