Türkische Diplomaten in IS-Geiselhaft: Erdoğans handzahmer Kampf gegen die Terroristen

Die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak hat große Auswirkungen auf die türkische Wirtschaft und Sicherheitslage. Die Türkei kann aber nicht mit voller Härte gegen die Terroristen vorgehen: Bis heute werden 49 Türken im Irak gefangen gehalten, darunter auch der Generalkonsul.

Fehlende Strategie

Auch durch den Druck, den die IS mit den Geiseln auf die Regierung ausübt stand diese bislang strategielos dar. Trotz der großen Bedrohung an nahezu allen östlichen Außengrenzen, griff die Türkei nicht nennenswert in einem Konflikt durch oder wehrte sich gegen die Bedrohung. Vorbildliche Arbeit leistet sie hingegen bei der Flüchtlingshilfe. Schon im Jahr 2013, als die Krise im Irak noch nicht ausgebrochen war, nahm die Türkei über 600.000 Flüchtlinge auf, so das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, UNHCR. Für die Jesiden im Irak ließ das Land erst jüngst ein Flüchtlingscamp bauen (mehr hier).
„Es ist sehr schwierig für die Türkei mit der jetzigen Situation umzugehen. Ihre Hände sind gebunden. Besonders nach der Exekution des amerikanischen Journalisten James Foley ist es insgesamt viel schwerer geworden etwas zu tun, das der Islamische Staat als eine falsche Bewegung wahrnimmt“, sagt Yasar Yakis, ein ehemaliger türkischer Außenminister, zu Bloomberg.

Treffen in Wales soll Vorgehen festlegen

Nach Angaben Erdoğans in der Hurriyet sind zu diesem Zeitpunkt 1,25 Millionen Flüchtlinge in der Türkei. Der Flüchtlingsstrom hätte sich so innerhalb eines Jahres verdoppelt. Die sonstige Strategielosigkeit sollte sich jetzt ändern. Beim jüngsten NATO-Spitzentreffen in Wales vergangene Woche berieten die Staatschefs nicht nur über das weitere Vorgehen in Osteuropa, sondern auch über die Lage im Nahen Osten. Neben Gesprächen über den Spionageskandal, die Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mit den USA und Deutschland führte, wurde hier eine Strategie entwickelt. Der Staatspräsident besprach die Bedrohungslage durch die IS auch mit dem amerikanischen Präsidenten Barrack Obama, so die Hurriyet. Erdoğan erläuterte bei seinem Flug in der Regierungsmaschine einigen Journalisten das Gespräch mit dem amerikanischen Staatenlenker. Ein erster Schritt ist eine Koalition aus elf Staaten, die gegen die IS vorgehen wollen. „Ich weiß nicht, ob Amerika bis jetzt Treffen mit diesen Ländern hatte oder nicht. Allerdings haben wir unser Treffen dort gehabt. Britannien und Frankreich stehen der Idee positiv gegenüber, ebenso Deutschland. Da ist nur Australien, das kein NATO-Mitglied ist“, so Erdoğan.

Türkei als Transitland für Gotteskrieger

Die schwierige türkische Grenzlage fördert nicht nur den Handel der IS mit billigem Benzin im türkischen Grenzgebiet und die Verluste türkischer Wirtschaftszentren. Sie macht die Türkei zunehmend zu einem Transitland junger Gotteskrieger. Im Juni schätzten Experten die Zahl der IS-Kämpfer auf 10.000 Milizionäre. Mittlerweile gibt es Kenner, die deren Truppenstärke nun zwischen 30.000 und 50.000 Kämpfern ansiedeln würden. Allein aus den europäischen Staaten sollen mehr als 1600 Kämpfer über die türkische Grenze gereist sein, aber auch einige hundert türkische Staatsbürger nehmen am Krieg in Syrien und im Irak teil (mehr hier). Auch auf absehbare Zeit wird die Türkei in die Vorgänge um sich herum nicht eingreifen können, das garantieren die 49 Geiseln in Mosul dem Islamischen Staat.

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