Türkei: Frauen verdienen um zwei Drittel weniger als Männer

Trotz gleicher Arbeit verdienen türkische Frauen durchschnittlich ein Drittel des Gehalts, das Männer verdienen. Wie in westlichen Industrienationen auch, müssen die Frauen oftmals ein Spagat zwischen Familie und Karriere vollziehen. Gehen sie dann doch einer Beschäftigung nach, erleben sie erhebliche Nachteile.

Durch eine zunehmende Globalisierung auf der einen und eine Zuwendung zum Islam auf der anderen Seite entsteht in der Türkei ein Spannungsverhältnis, das sich in zwei Richtungen niederschlägt. Während die einen Arbeit und Kind verknüpfen und es so vergleichsweise viele in die Chefetagen schaffen, treten die anderen den Rückzug ins Private an.

Gleiche Arbeit, andere Stundenlohn

Dass sich bei der Vergütung von Arbeit die Geschlechterrollen in der Türkei noch nicht angeglichen haben, zeigt eine Studie der Vereinten Nationen. Der Entwicklungsindex legte unter anderem offen, dass das Einkommen von türkischen Männern drei Mal höher ausfällt. So verdienen Arbeitnehmerinnen durchschnittlich 8.813 Dollar in einem Jahr, während türkische Männer 28.318 Dollar jährlich verdienen. Der Index verglich die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in 148 Ländern. Die Türkei erreichte den 118. Platz eben wegen der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen. Weitere Gründe waren unter anderem der niedrigere Bildungsgrad von Frauen, sowie weitere Entwicklungsfaktoren, so die Hurriyet. Zwischen 2002 und 2012 betrug die durchschnittliche Schulzeit mit 6,4 Jahren bei Frauen weniger als bei Männern. Diese gehen durchschnittlich über zwei Jahre mehr in die Schule.

Flexiblere Arbeitszeiten

Bei einem Treffen, auf dem Neuigkeiten der Pro-Women Initiative vorgestellt wurden, wies die ehemalige türkische Familienministerin Şahin daraufhin, dass Frauen in Halbtagsjobs oder flexible Arbeitszeiten in entwickelten Ländern durchaus gang und gäbe wären. Damit kämen die Arbeitgeber den Frauen entgegen, die auch Verantwortung als Mütter und Ehefrauen hätten. Şahin verwies in diesem Zusammenhang auf die Situation in Österreich und Finnland, wo die Erwerbsquote von Frauen bei 69 Prozent läge. 45 Prozent von ihnen hätten allerdings Teilzeitjobs. In der Türkei, mahnt die Politikerin, brauche es hingegen noch einen Wandel der Mentalität innerhalb der Gesellschaft, um ein solch flexibles System zu etablieren.

Die Mahnung der ehemaligen Ministerin kommt nicht von Ungefähr: Erst Mitte März dieses Jahres wurde bekannt, dass trotz zahlreicher Bemühungen in der Türkei, für eine Gleichstellung der Geschlechter im Berufsleben zu sorgen, die Rate der Frauen innerhalb des türkischen Arbeitswelt um ganze zehn Prozent zurückgegangen war. Das gab Zahidul Huque vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) bekannt. Waren im Jahr 2000 noch 40 Prozent Frauen auf dem türkischen Arbeitsmarkt vertreten, sei deren Anteil im Jahr 2012 auf gerade einmal 27 Prozent bzw. bis Anfang 2013 auf unter 30 Prozent abgesunken, so Huque im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet. Als mögliche Gründe führte der Fachmann einen Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und die schrittweise Entwicklung hin zum Konservativismus in der Türkei an. Auf der einen Seite hätte die Türkei signifikante Forschritte hinsichtlich der Gesetzgebung über die Rechte der Frauen, Bildung und Gesundheit gemacht. Auf er anderen Seite wäre sie in einigen Punkten, wie etwa beim Index für geschlechtsspezifische Ungleichheit, zurückgefallen (mehr hier).

Die Türkei wird auf ihrem Weg als aufstrebende Wirtschaftsmacht nicht auf weibliche Erwerbstätige verzichten können.

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