Aysal in der Kritik: Galatasaray mit Sparprogramm

Die finanzielle Situation bei Galatasaray spitzt sich weiter zu! Nachdem Ünal Aysal auf der jüngsten Divan Kurulu-Konferenz von ersten Sparmaßnahmen sprach, wurde der Klubboss vereinsintern sogar zum Rücktritt aufgefordert.

Auf der Galatasaray-Insel in Istanbul fand am Mittwoch die obligatorische Divan Kurulu-Konferenz des türkischen Vizemeisters statt. Anwesend waren neben Vereinspräsident Ünal Aysal zahlreiche weitere hochrangige Vereinsfunktionäre und Mitglieder. In seiner Eröffnungsrede kritisierte Ünal Aysal insbesondere die aus seiner Sicht widrigen Umstände im türkischen Fußball und kündigte auf Grund der finanziell prekären Lage des Vereins mehrere Sparmaßnahmen an. Einige Auszüge aus Aysals Rede…

„Unser Sport hat es geschafft, tiefe Gräben in der Gesellschaft zu erzeugen. Soweit war es in diesem Land tatsächlich noch nie gekommen. Wir sind dabei, unser eigenes Grab zu schaufeln. Anstand und Vernunft werden mit Füßen getreten, stattdessen sind Manipulation, Rassismus und das Leben und Verhalten wie auf der Straße zur Tagesordnung geworden. Wir alle haben dabei Fehler gemacht. Wir sind zu passiv geblieben und haben unsere Augen verschlossen. Auch war der Glaube, dass das System die Fehler behebt, zu stark. Die nötige Reaktion unsererseits hat gefehlt. Der türkische Sport muss sich sofort von jeglichem Dreck befreien. Dem Drang nach Fanatismus und Hooligantum müssen wir dringend entkommen!“

„Uns wurde die Kapitalerhöhung ohne nennenswerten Grund verweigert. Das hatte zur Folge, dass wir weitere 70 Millionen Dollar an Verbindlichkeiten aufbauen mussten. Trotzdem versuchen unsere Bediensteten und Funktionäre, sämtliche Einnahmequellen auszuschöpfen.“

Einsparungen im und um den Verein herum (von Aysal vorgestellt)

– 25 Prozent des Personals wird abgebaut

– Das Kontingent an Geschäftsautos im Verein und den Partnerfirmen wird auf jeweils 60 gekürzt

– Maximale Beschäftigung bis 65 Jahren

– Finanzielle Sparmaßnahmen bei Geschäftsreisen,  Kürzungen im Personalbedarf, Ausgabenminimierung im Fußball- und Amateurbereich, sowie den weiteren Sportarten.

Kommende Projekte (noch nicht endgültig bewilligt):

– Ausgliederung der Frauen- und Herrenbasketballmannschaften vom Verein, sofern diese das Budget von 40 Millionen TL übersteigen. Weitere Anonymisierung und Verkleinerung der anderen Sportbranchen

– GS Global: Den Marktwert des Vereins erhöhen, Zusammenarbeit mit ausländischen Markennamen intensivieren, Zusatzeinnahmen generieren, insbesondere im Fußball und Basketball

– Die Arbeit mit den sozialen Netzwerken erweitern. Ziel: Follower von insgesamt 17 Millionen auf 30 Millionen erhöhen

– Einführung einer „Galatasaray Zeitung“ (Galatasaray Gazetesi)

Kritik an Ünal Aysal wächst!

Die Finanzpolitik kritisch betrachtet haben derweil die Ex-Funktionäre Mehmet Helvaci und Isin Celebi, die nach nach dem Präsidenten zu Wort kamen und massiv Kritik an Ünal Aysal übten. Helvaci zu den Zukunftsplanungen der Gelb-Roten: „Die Amateurbranchen auszugliedern heißt im Endeffekt, dass die unkontrollierten Ausgaben steigen werden. Ich bin für eine sofortige außerordentliche Generalversammlung, bei der der Vorstand genauestens erklären soll, wie man das Ganze plant. Wenn es so weitergeht, wird Galatasaray weder eine Insel, noch irgendeine Immobilie besitzen. Wir müssen den Ausverkauf unbedingt verhindern.“

Isin Celebi ging sogar noch einen Schritt weiter und warf Aysal eine missratene Finanzpolitik vor. Auch die planlose Suche nach einem Trikotsponsor spreche nicht für den Vorstand der Gelb-Roten. „Die Verbindlichkeiten Galatasarays belaufen sich derzeit auf 142 Millionen TL – und das nur auf kurzfristiger Ebene betrachtet. Der Schuldenstand zeigt, dass die Finanzen nicht gut gehandhabt werden. Galatasaray hat mehr Schulden als alle anderen Vereine. Das sind ernsthafte Beträge, die hier im Raum stehen. Die Schulden und die Verluste, die der Verein gemacht hat, sind auch in den letzten Jahren unter Aysal ständig gestiegen. Der Präsident sagt ständig, dass wir finanziell stabil seien. Doch wir haben bereits Mahnungen von der UEFA und auch der Börsenaufsicht bekommen. Man kann es mittlerweile ein finanzielles Fiasko nennen. Die Marke Galatasaray gewinnt an Wert, doch das spiegelt sich nicht in den Finanzen wider. Wir haben keinen Oberhaupt, der sich im Fußballgeschäft auskennt oder haben wir etwa einen Funktionär, der diesem Verein viel Geld eingebracht hat? Spieler, die noch zwei Jahre Vertrag haben, bekommen neue Fünfjahresverträge, und diese sind um die 30 Jahre alt. Wir als Verein sind mit der GSGM, TFF, TBF, UEFA und der Istanbuler Börsenaufsicht zerstritten. An manchen Punkten muss man sich langsam aber sicher selbst hinterfragen.“

Nach den Worten der beiden Ex-Funktionäre beschloss Divan Kurulu-Vorsitzender Irfan Aktar, die außerordentliche Generalversammlung tatsächlich abzuhalten. Angesetzt wurde diese auf den kommenden Mittwoch um 16.00 Uhr (MEZ). Hier erwartet Präsident Aysal mit Sicherheit ein heißer Tanz. Kann der Klubboss seine vorgestellten Visionen nicht durchsetzen, droht Aysal mehr Gegenwind denn je.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

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