Beşiktaş Istanbul: „Carsi“-Mitgliedern droht wegen Gezi-Protesten lebenslange Haft

35 Mitglieder des Beşiktaş-Fanclub „Carsi“ werden wegen „versuchten Umsturzes der Regierung“ angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Fans vor, sie hätten die Demonstrationen zum Schutz des Istanbuler Gezi-Parkes nur als Vorwand genutzt. In Wahrheit sei es ihnen darum gegangen, Chaos zu stiften und die Regierung zu stürzen.

Wegen ihrer Beteiligung an den regierungskritischen Gezi-Protesten in der Türkei droht türkischen Fußballfans des Istanbuler Erstligisten Besiktas lebenslange Haft. Ein Gericht habe die Anklage wegen «versuchten Umsturzes der Regierung» gegen 35 Mitglieder des Fanvereins «Carsi» angenommen, meldete die regierungsnahe Nachrichtenagentur Andadolu. Während der Gezi-Proteste im Sommer vergangenen Jahres spielte der Besiktas-Fanclub «Carsi» eine wichtige Rolle. Viele «Carsi»-Ultras nahmen an den Demonstrationen teil. Der Fanclub ist in der Türkei über den Fußball hinaus für sein soziales Engagement bekannt. Der Prozess soll Medienberichten zufolge am 16. Dezember beginnen.

Auch Gründungsmitglieder betroffen

Die Staatsanwaltschaft werfe den Fans vor, sie hätten die Demonstrationen zum Schutz des Istanbuler Gezi-Parkes nur als Vorwand genutzt, berichtete die Zeitung «Hürriyet» am Freitag unter Berufung auf die Anklageschrift. In Wahrheit sei es ihnen darum gegangen, Chaos zu stiften und die Regierung zu stürzen. Unter den Angeklagten seien «Carsi»-Gründungsmitglieder. Die Demonstrationen hatten sich zunächst gegen die Bebauung des Gezi-Parkes im Zentrum Istanbuls gerichtet. Sie wuchsen sich dann aber zu Demonstrationen gegen die islamisch-konservative Regierung aus. Die Proteste kosteten mindestens sieben Menschen das Leben.

Alle Fangruppen beteiligt

An den Protesten in Istanbul waren auch große Teile anderer Fanclubs beteiligt. Es war das erste Mal in der Geschichte des türkischen Fußballs, dass die Fangemeinschaften von Carsi, Ultraslan und Genç FB sich zusammenschlossen, um eine gemeinsame politische Meinung zu vertreten. Die drei Clubs unterstützen die drei Vereine Beşiktaş, Galatasaray und Fenerbahçe. Nachdem sich die Proteste um den Gezi Park und Taksim Platz ausbreiteten, unterstützten diese die Demonstranten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Polizei schon deutlich an Intensität zugenommen. Istanbuls Notaufnahmen waren über ihre Kapazität belegt und die Fans engagierten sich in der Erstversorgung nach Polizeiübergriffen und Tränengasattacken. Zu trauriger Berühmtheit kam in diesen Tagen auch der 15-Jährige Berkin Elvan. Er war bei den Auseinandersetzungen von einer Gaspatrone am Kopf getroffen worden. Der Junge fiel nach einer Hirnblutung ins Koma und starb im Krankenhaus nach dem er dort 269 Tage nicht ansprechbar lag (mehr hier).

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