Menschenrechtler: Religionsfreiheit auf der Krim eingeschränkt

Im Zuge der Regionalwahlen auf der umkämpften Halbinsel Krim an diesem Sonntag beklagt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) eine zunehmende Beschneidung der Religionsfreiheit. «Die pro-russischen Behörden auf der Krim und der dortige Geheimdienst haben den Druck auf alle erhöht, die als pro-ukrainisch oder anti-russisch gelten könnten», sagte Osteuropa-Referentin Sarah Reinke in Göttingen.

Die Menschenrechtler beschreiben in einem am Donnerstag veröffentlichten Memorandum, dass Hausdurchsuchungen, kurzzeitige Festnahmen und Geheimdienst-Verhöre die Menschen einschüchtern sollten. Dem sei besonders die meist muslimische Minderheit der Krimtataren ausgesetzt, deren politische Führung zum Boykott der Regionalwahlen aufgerufen hatte.

Die Gesellschaft betont, dass sich die Lage der Menschenrechte und insbesondere die Situation der Minderheiten und Religionsgemeinschaften in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert habe. Viele Krimtataren seien verunsichert: Einerseits versuchten sie, ihren Alltag aufrecht zu erhalten, anderseits wehrten sie sich gegen die russische Staatsbürgerschaft. Die pro-russischen Behörden reagieren nach Einschätzung der GfbV mit dem Versuch, die Krimtataren zu spalten.

«Wir dürfen die Menschen auf der Krim nicht allein lassen», zitiert die KNA die GfbV und appellierte an die deutsche Bundesregierung, sich hinter die Krimtataren zu stellen. Sie solle sich, so die Menschenrechtler weiter, auch verstärkt für Personen von der Krim einsetzen, die widerrechtlich in russischer Haft gehalten werden.

Bis zum 18. Jahrhundert stellten die Tataren die Bevölkerungsmehrheit auf der Krim; sie hatten die Halbinsel seit dem 15. Jahrhundert besiedelt. 1783 verleibte die russische Zarin Katherina die Große das Khanat der Krimtataren dem russischen Riesenreich ein. Stalin ließ 1944 rund 280.000 Tataren nach Zentralasien deportieren ? als Strafe dafür, dass einige von ihnen mit Nazi-Deutschland kollaboriert hatten. Heute leben wieder 300.000 Angehörige der Volksgruppe auf der Krim; sie machen rund 12 Prozent der Bevölkerung aus.

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