Borussia Dortmund-Fans protestieren gegen Erdoğan: „Çarşı ultras, yolunuz için savaşın“

„Çarşı Ultras: Euer Weg führt über den Kampf! Gebt niemals auf! Freiheit für die Ultras, auch in der Türkei!“: Zu Beginn des Dortmund-Freiburg-Spiels am Samstag haben zahlreiche BVB-Fans ihre Unterstützung für die 35 Mitglieder des Beşiktaş-Fanclub „Çarşı“ bekundet, die wegen „versuchten Umsturzes der Regierung“ in der Türkei angeklagt werden. Die Staatsanwaltschaft wirft den Fans vor, sie hätten die Gezi-Park-Demonstrationen genutzt, um Chaos zu stiften und die Regierung zu stürzen.

Beim Bundesligaspiel von Borussia Dortmund gegen Freiburg haben sich die Fans des BVB solidarisch mit den angeklagten Fans von Beşiktaş Istanbul erklärt. Den Angehörigen der Fangruppe „Carsi“ drohen lebenslange Haftstrafen, wenn sie für schuldig befunden werden sollten. Die Vorgänge blieben auch im deutschen Fußball nicht unbemerkt. Das hatte zur Folge, dass die Dortmunder riesige Spruchbänder in der Fankurve ausbreiteten und ihre Solidarität bekundeten.

Soziales Engagement

Die Fans sollen versucht haben, den Amtssitz des Ministerpräsiednten zu stürmen, so zumindest die Anklage. Zuvor waren die Fans in die gewalttätigen Proteste um den Gezi Park involviert, so die Hurriyet. Bei einer Pressekonferenz der Fangemeinschaft stellten Fanvertreter ihr soziales Engagement heraus. Carsi-Fans hatten sich zu vielen politischen Themen kritisch geäußert, so auch zur Atomkraft und zur Kinderarbeit.
In Anbetracht der Anklage, die auch Führungsmitglieder von Carsi betrifft, wurden jetzt auch deutsche Fans laut. Auf ihren Spruchbändern im Westfalenstadion standen: „Carsi Ultras: Euer Weg führt über den Kampf – gebt niemals auf – Freiheit für die Ultras, auch in der Türkei“, so Schwarzgelb.

Auch andere Fans beteiligt

An den Protesten in Istanbul waren auch große Teile anderer Fanclubs beteiligt. Es war das erste Mal in der Geschichte des türkischen Fußballs, dass die Fangemeinschaften von Carsi, Ultraslan und Genç FB sich zusammenschlossen, um eine gemeinsame politische Meinung zu vertreten. Die drei Clubs unterstützen die drei Vereine Beşiktaş, Galatasaray und Fenerbahçe. Nachdem sich die Proteste um den Gezi Park und Taksim Platz ausbreiteten, unterstützten diese die Demonstranten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Polizei schon deutlich an Intensität zugenommen. Istanbuls Notaufnahmen waren über ihre Kapazität belegt und die Fans engagierten sich in der Erstversorgung nach Polizeiübergriffen und Tränengasattacken. Zu trauriger Berühmtheit kam in diesen Tagen auch der 15-Jährige Berkin Elvan. Er war bei den Auseinandersetzungen von einer Gaspatrone am Kopf getroffen worden. Der Junge fiel nach einer Hirnblutung ins Koma und starb im Krankenhaus nach dem er dort 269 Tage nicht ansprechbar lag (mehr hier). Der Prozessauftakt ist am 16. Dezember.

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