Rund 1000 IS-Kämpfer aus der Türkei rekrutiert

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rekrutiert offenbar zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Die Türkei entwickelt sich langsam zum Drehkreuz für Extremisten, die sich im Nahen Osten verschiedenen radikalen Organisationen anschließen wollen. Das hat auch mit der nachlässigen Grenzpolitik der Regierung zu tun.

Bis zu 1000 Türken hätten sich bislang der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete die «New York Times» am Montag unter anderem unter Berufung auf türkische Regierungsangaben. Anziehungspunkte seien sowohl die Ideologie der Miliz als auch die Bezahlung. Das Blatt berichtete von einem 27-jährigen Türken, der nach einer 15-tägigen Basisausbildung im syrischen Al-Rakka einer Kampfeinheit zugewiesen wurde. Er habe bereits zwei Männer erschossen und an einer öffentlichen Hinrichtung teilgenommen, so die dpa. Erst als er einen Mann lebendig begraben hatte, sei er als Vollmitglied der Miliz aufgenommen worden, sagte der ehemalige Drogenabhängige der Zeitung.

Nahezu keine Grenzkontrolle

Ein Problem bleibt die angespannte Situation an den türkischen Außengrenzen.
Trotz der verbesserten türkischen Grenzanlagen und den verschärften Kontrollen zu Syrien und zum Irak scheint sich an der eigentlichen Situation nichts verändert zu haben. Potenzielle Rekruten der Bürgerkriegsparteien passen sich einfach optisch an. Eine Kontrolle ist weniger wahrscheinlich, wenn man westliche Kleidung und ohne Bart nach Syrien einreisen wolle, so WSJ.

Aber auch die neuen Grenzkontrollen scheinen vergleichsweise milde auszufallen. Aufgrund des Andrangs würden Pässe auch nur sporadisch überprüft werden, so Bloomberg. Ein wirkliches Hindernis sei die Grenze nicht. „Es ist fast unmöglich für die Türkei die gemeinsame Grenze mit Syrien zu kontrollieren. Sie ist flach und Einheimische haben seit Jahren sichere Wege über die Minenfelder gefunden“, sagt Oytun Orhan, Analyst des Zentrums für strategische Studien im Mittleren Osten zu Bloomberg. Die Außengrenze ist dabei das letzte Hindernis für gläubige Radikale sich den Dschihadisten in Syrien aber auch im Irak anzuschließen. Von hier aus schließen sich tausende junge Männer aus Großbritannien, Frankreich, Belgien und Deutschland dem heiligen Krieg an. Darauf hatten schon vorher europäische Regierungen, aber auch das Weiße Haus, hingewiesen. Die Crux: Die Türkei kann den Forderungen des Westens, ihre Grenzen gänzlich zu schließen nicht entsprechen. Damit würde sie das Leben der 49 in Mosul festgehaltenen Geiseln bedrohen, so Al Monitor. Diese sind wohl aber nach jetzigem Kenntnisstand bei guter Gesundheit (mehr hier).

Probleme für die türkische Wirtschaft

Schaden nimmt dabei auch die türkische Wirtschaft. So etwa die Provinz Gaziantep. Hier entstand ein großer Umschlagplatz für türkische Waren. Diese sind für den Libanon, Jordanien und den Persischen Golf bestimmt. Der Warenstrom in diese Regionen ist durch die IS im Irak und den Bürgerkrieg in Syrien weitestgehend abgeschnitten. Einen Monat nachdem die IS Mosul und weitere irakische Städte überrannte, seien die Exporte der Provinz Gaziantep um 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen, sagte ein Vertreter der Handelskammer in Gaziantep Bloomberg.

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