Erdoğan möchte Ratingagenturen aus dem Land werfen

Präsident Erdoğan wirft den Ratingagenturen Moody's und Fitch vor, Bewertungen auf politischer anstatt auf wirtschaftlicher Basis zu treffen. Beide Agenturen hatten vor einer möglichen wirtschaftlichen Instabilität und der hohen Inflation in der Türkei gewarnt. Mit Standard & Poor's hatte Erdoğan die Zusammenarbeit schon 2012 beendet.

Nach kritischen Aussagen von Fitch und Moody’s hat die Türkei den beiden großen Ratingagenturen mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht. Wie schon im Falle von Standard & Poor’s im Jahr 2012, so sollen auch diese beiden Agenturen keine objektiven Bewertungen abgeben. Es steht zu befürchten, dass Erdoğan nun weiteren Häusern die Tür vor der Nase zuschlägt.

«Wir haben die Beziehungen zu Standard & Poor’s beendet», sagte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nach einem Bericht der Zeitung «Hürriyet» vom Dienstag. «Wenn sie (Fitch und Moody’s) so weitermachen, kann ich dem Ministerpräsidenten sagen, dass er die Zusammenarbeit mit diesen beiden ebenfalls einstellt.» So weit sei es jedoch noch nicht.

Erdoğan warf den beiden Agenturen vor, Bewertungen auf politischer und nicht auf wirtschaftlicher Basis zu treffen, so die dpa. Die Ratingagentur Moody’s hatte vergangenen Monat vor einer möglichen wirtschaftlichen Instabilität in der Türkei gewarnt und schnellere Strukturreformen angemahnt. Fitch äußerte unter anderem Besorgnis über die hohe Inflation im Land (mehr hier).

2012 hatte die Türkei nach einer schlechteren Einstufung durch Standard & Poor’s die Zusammenarbeit mit dieser Ratingagentur beendet. Die Ratingagentur stufte die Kreditwürdigkeit der Türkei von positiv auf stabil ab. Als Grund wurde das Handelsbilanzdefizit der türkischen Republik angegeben (mehr hier).

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan reagierte damals erbost und äußerte sein Unverständnis über die Herabstufung seines Landes, während Griechenland gleichzeitig hochgestuft wurde. Anschließend ließ er verkünden, dass man den jährlichen Vertrag auslaufen lassen wolle. Hohe Schulden und geringe Exportzahlen der Türkei hatten zu einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit geführt. Erdoğan bezeichnete das als „ideologische Entscheidung“. Standard & Poor’s bewertet die Türkei für ihre Kunden aber weiter (mehr hier).

Als Reaktion auf die Abkehr von Standard & Poor’s hatte die türkische Regierung den Türkischen Bankenverband (TBB) schon Anfang 2013 angewiesen, eine lokale Ratingagentur ins Leben zu rufen (mehr hier). Beobachter glaubten bereits damals, dass die türkischen Jubelmeldungen der vorangegangenen Monate nicht besonders belastbar waren.

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