„Almanis“ im Irak: 21-jähriger Deutsch-Türke tötet 54 Menschen bei Selbstmordanschlag

Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte der junge Deutsch-Türke Ahmet C. im Juli einen Selbstmordanschlag im Irak verübt. Er tötete 54 unschuldige Menschen, darunter viele Kinder, die mit ihrem Schulbus auf dem Weg zum Unterricht waren. Zunehmend gehen Deutsche nach Syrien und in den Irak, um für die IS zu kämpfen. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind erst seit kurzer Zeit zum Islam konvertiert, wurden innerhalb von wenigen Monaten radikalisiert und sorgen für Generalverurteilungen gegen Muslime in deren Heimatland.

Es dauerte vermutlich keine vier Stunden bevor sich Ahmet C. in Bagdad in die Luft sprengte. Er sprach kein Arabisch, weswegen er auf längere Zeit aufgefallen wäre. Er musste schnell zum Einsatz kommen, bevor er zum Sicherheitsrisiko geworden wäre. Ein Angehöriger der IS, der sich in Bagdad in Haft befindet, bestätigte gegenüber deutschen Journalisten, dass Ahmet alle Befehle ohne zu Zaudern durchgeführt habe. Innerhalb von Sekunden starben 54 Unschuldige. Ahmet C. ist nicht der einzige Selbstmordattentäter des Islamischen Staates und auch nicht der einzige Deutsche, der sich dem Islamischen Staat angeschlossen hat. Sie heißen Philipp, Robert oder Ahmet.

Deutschland an vierter Stelle

Europäische Behörden zählen schon seit einiger Zeit die Ausreisen in Richtung Irak und Syrien. Deutschland kommt an vierter Stelle, nach Großbritannien, Frankreich und dem Balkan, reisen hier am meisten Radikale in die Krisengebiete aus. Damit schaden sie auch den Muslimen in ihren Heimatländern. Alleine in Deutschland wurden in den vergangenen drei Wochen fünf Moscheen attackiert. Einige davon brannten aus, so der Zentralrat der Muslime. Dass solche Anschläge von Extremisten am Rand der Gesellschaft durchgeführt werden, gilt als erwiesen. Das empörte Echo der deutschen Gesellschaft blieb jedoch aus, als die Gebetshäuser brannten. Es scheint als würde keine Trennung zwischen einfachen Gläubigen und radikalen Islamisten stattfinden. In Deutschland leben Millionen Muslime, darunter weit über zwei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln. Viele davon leben und arbeiten hier. Laut der Türkischen Gemeinde in Deutschland entfällt jede fünfte Existenzgründung auf Menschen mit Migrationshintergrund.

Ähnliche Lebensläufe

Laut des Zentralrats der Muslime haben viele der Djihadisten ähnliche Lebensläufe. Von 378 deutschen Ausgereisten in den Irak oder nach Syrien hatten zwar einige eine zweite Staatsbürgerschaft, der überwiegende Teil hatte aber keinen Schulabschluss oder war im Niedriglohnsektor tätig. Viele von ihnen waren schon im Vorhinein aktenkundig wegen Drogendelikten oder Gewaltverbrechen. Die meisten Islamisten aus Deutschland, die sich militanten Gruppen in Syrien angeschlossen haben, sind eher ungebildet. Einer bislang unveröffentlichten Analyse im Auftrag der Innenministerkonferenz zufolge hat nur jeder vierte von ihnen einen Schulabschluss. Gemäß der Studie, die der «Berliner Morgenpost» (Donnerstag) vorliegt, brachten sechs Prozent eine Ausbildung zu Ende, ein Studium zwei Prozent (mehr hier). Wie die Studie des Verfassungsschutzes weiter zeigt, begann ihre Radikalisierung fast ausnahmslos in der Salafistenszene (mehr hier).

Das sind Merkmale, die auf Ahmet C, nicht zutreffen, so die Süddeutsche Zeitung. Er galt in seiner Umgebung als Mädchenschwarm und guter Fußballer mit vielen Freunden. Er kam aus dem beschaulichen Ennepetal südlich des Ruhrgebietes.
Eine Übereinstimmung findet sich jedoch bei der Zeit der Radikalisierung. Nach Angaben des Blattes sollen nur wenige Monate zwischen der Veränderung vom beliebten Ahmet C. zum Fanatiker Abu al-Kaakaa al-Almani vergangen sein. Er soll bevor er in den Irak zog auch den Worten des deutschen Salafisten-Predigers Piere Vogel gelauscht haben und sich an dessen Koran-Aktionen beteiligt haben. So war Ahmet in kürzester Zeit mit langem Bart und weiter Kleidung in Deutschlands Fußgängerzonen anzutreffen. Dort machte er für seine religiöse Überzeugung Werbung.

Deutsche und Europäer an vorderster Front

Ahmet C. war laut NDR kein Einzelfall. So setzte die IS gezielt Deutsche und Europäer ein. Das habe zwei Gründe, denn zum einen seien diese meist gewaltbereiter als die dort kämpfenden Araber, zum anderen sind die „Almanis“, wie die Deutschen genannt werden, hervorragendes Propagandamaterial. Dies bestätigt auch der irakische General Kassam Atta im Gespräch mit der SZ. Es gibt wenig Anschläge, die nicht gefilmt werden. Im Internet kursieren viele Videos, die junge Europäer zur IS locken. Der Krieg gegen Unschuldige und Zivilisten wird dort als Abenteuerurlaub dargestellt. Dort, wo früher Sunniten und Schiiten im Irak über Jahre zusammen lebten, bekämpft die IS auch mit Selbstmordattentätern nun gezielt die schiitische Zivilbevölkerung. Dass dabei auch Sunniten verletzt werden, nimmt die IS als notwendiges Opfer in Kauf. Wie gefährlich die europäischen Terroristen sind, zeigten auch die Exekutionen der Journalisten James Foley, Steven Sotloff und David Haines. Auch er wurde von einem Terroristen aus Großbritannien ermordet.

Dass die in Deutschland lebenden Muslime diese Gewalt verachten zeigt die Veranstaltung „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“. In über 2000 Moscheen bundesweit soll hier ein Zeichen gegen Gewalt, Antisemitismus und Islamophobie gesetzt werden (mehr hier).

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