Türkei erwartet neuen Flüchtlingsansturm durch Krieg gegen Islamischen Staat

Mit einem internationalen Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) droht der Türkei eine neue Flüchtlingswelle. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien ist das Land extrem engagiert. Die in einigen Regionen schon jetzt zum Bersten gespannten Kapazitäten könnten nicht mehr ausreichen.

Bei einem internationalen Militäreinsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befürchtet die Türkei einen riesigen Ansturm von Flüchtlingen. Bis zu vier Millionen Flüchtlinge könnten sich auf den Weg in Richtung Türkei machen, schrieb die regierungsnahe Zeitung «Yeni Safak» am Donnerstag unter Berufung auf einen Bericht des Generalstabs. Der Bericht sei am Mittwoch auf einem Sicherheitstreffen in Ankara unter dem Vorsitz von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan diskutiert worden. Schon jetzt haben nach Regierungsangaben 1,2 Millionen syrische Bürgerkriegsflüchtlinge Zuflucht im Nachbarland Türkei gesucht.

Der Generalstabschef habe außerdem Pläne für eine Pufferzone an der Grenze zu Syrien und zum Irak vorgestellt, so die dpa. Diese solle unter dem Schutz der Nato entstehen, schrieb das Blatt, ohne weitere Details zu nennen. Erdoğan hatte Medienberichten zufolge bereits zu Wochenbeginn gesagt, die türkischen Streitkräfte arbeiteten an Plänen für eine Pufferzone. Im Kampf gegen IS hat die Türkei bisher nur humanitäre Hilfe zugesagt. Sie verweist darauf, dass die Extremisten seit Juni insgesamt 49 türkische Geiseln im Nordirak festhalten (mehr hier). Die Türkei ist der einzige Nato-Staat, an dessen Grenzen die Terrormiliz aktiv ist.

Mittlerweile ist die Türkei zum weltweit drittgrößten Spenderland für humanitäre Hilfe aufgestiegen. Nach den USA und Großbritannien hat das Land 2013 mit 1,6 Milliarden US-Dollar mehr humanitäre Hilfe geleistet als Japan oder Deutschland. Dafür verantwortlich ist besonders die unruhige Lage in fast allen ihrer Nachbarstaaten. Egal ob im Gazastreifen, in Syrien oder im Irak, in allen Ländern leistet die Türkei Hilfe und nimmt eine große Anzahl der Flüchtlinge auf dem eigenen Staatsgebiet auf. Kein europäisches Land bietet so vielen Flüchtlingen aus Krisengebieten Unterschlupf wie die Türkei. Auch ein Flüchtlingslager im kurdisch geprägten Nordirak wurde erst vor kurzem errichtet (mehr hier).

Während die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen (UNHCR) die Türkei bereits im Jahr 2013 als das fünftgrößte Flüchtlingsaufnahmeland führten, stieg die Zahl seitdem unaufhörlich an. Damals wurde die Zahl, der von der Türkei aufgenommenen Flüchtlinge noch auf weniger als 610.000 Flüchtlinge geschätzt. Mehr Flüchtlinge nahmen in derselben Region nur der Libanon und Jordanien auf. Im kleinen Libanon befanden sich Ende des vergangenen Jahres 856.500 Flüchtlinge.

Die syrischen Flüchtlinge leben in der Türkei nicht selten am existenziellen Minimum. Die finanziellen Mittel sind extrem begrenzt (mehr hier). Die Menschenrechtsorganisation Mazlum-Der beschrieb die Situation der Flüchtlinge bereits in einem Bericht von Ende 2013 als mieserabel (mehr hier). Bereits mehrmals kam es in Camps zu gewaltsamen Szenen. Viele türkische Bürger fühlen sich in den Grenzstädten nicht mehr sicher. Sie haben Angst vor Übergriffen aus dem Nachbarland. Bereits vor zwei Jahren schlug die Hauptstadt der südtürkischen Provinz Hatay, Antakya, Alarm. Die hiesige Gesundheitsinfrastruktur stand kurz vor dem Zusammenbruch (mehr hier).

Trotz der wiederholt auftretenden Schwierigkeiten behielt die türkische Regierung ihre Politik der offenen Tür bei (mehr hier). Rufe gen Ausland, die Türkei bei der Flüchtlingsfrage zu unterstützen, wurden jedoch nur teilweise erhört. So haben die Europäische Union und Deutschland bisher keinen adäquaten Beitrag geleistet, um das Leid der syrischen Flüchtlinge zu bekämpfen. Während Staaten wie die Türkei ohne zu murren Hunderttausende aufnehmen, konnte hierzulande bisher nur ein winziger Bruchteil Unterschlupf finden. Und das ungeachtet der bestehenden europäischen Gesetze, die großzügigere Hilfsmaßnahmen vorschreiben (mehr hier).

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