Juristentag stellt sich hinter religiöse Beschneidung von Jungen

Der Deutsche Juristentag hat keine grundsätzlichen verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen. Durchgeführt werden dürfe diese aber nur dann, wenn dem Vorgang ein ernsthaftes religiöses Selbstverständnis zu Grunde läge.

Mit 40 zu 32 Stimmen bei 19 Enthaltungen stellten sich die Delegierten des 70. Deutschen Juristentages hinter das Ende 2012 vom Bundestag verabschiedete Gesetz, das die Knabenbeschneidung aus nichtmedizinischen Gründen unter bestimmten Bedingungen gesetzlich erlaubt. Voraussetzung für die Zulässigkeit des Eingriffs ist unter anderem, dass er nach Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt.

Nach Meinung der Juristen bedarf der entsprechende Paragraf 1631d des Bürgerlichen Gesetzbuchs allerdings einer verfassungskonformen Auslegung dahingehend, «dass die Vorschrift nur einen auf ein ernsthaftes religiöses Selbstverständnis gestützten Eingriff
rechtfertigt». Hygienische oder ästhetische Vorlieben der Eltern oder kulturell tradierte Sitten reichten hierfür nicht aus.

Im Mai 2012 hatte das Kölner Landgericht die Beschneidung in einem Einzelfall als Körperverletzung gewertet. Das von der bisherigen Rechtsprechung abweichende Urteil führte zu einer tiefgreifenden Verunsicherung unter den Juden und Muslimen in Deutschland. Daraufhin sah sich der Gesetzgeber zum Handeln gedrängt.

In Hannover hatten sich seit Mittwoch rund 2500 Juristen über aktuelle Fragen aus Rechtspolitik und Justiz ausgetauscht. Am Donnerstag beschlossen die teilnehmenden Experten dann konkrete Reformempfehlungen, die künftig Eingang in Gesetzgebung und Rechtsprechung finden könnten. Ein Thesenpapier der Berliner Strafrechtsprofessorin Tatjana Hörnle, mit dem Titel „Kultur, Religion, Strafrecht – Neue Herausforderungen in einer pluralistischen Gesellschaft“, habe bereits im Vorfeld Schlagzeilen gemacht: Der Grund dafür sei vor allem gewesen, dass sich die Juristin darin versucht habe, die 2012 erlaubte Geschlechtsteilbeschneidung bei Jungen mit dem Verbot bei Mädchen und Frauen zu vereinbaren, berichtet heise.

Mehr zum Thema:

Landgericht Köln: Beschneidung aus religiösen Gründen ist Körperverletzung
Beschneidung: Norwegen will religiöse Praxis durch symbolisches Ritual ersetzen
Beschneidungs-Urteil: Europäische Juden und Muslime fordern Achtung der Religionsfreiheit

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.