Gemeinsame Bedrohung: Türkei und Deutschland wollen zusammen IS bekämpfen

Die Türkei und Deutschland werden im Kampf gegen die IS zukünftig eng zusammenarbeiten. Um der Terrormiliz zukünftig besser die Stirn bieten zu können, werden die Geheimdienste der Länder gegenseitig Informationen austauschen. Das sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière bei einem Treffen mit muslimischen Spitzenvertretern in Deutschland.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung deutscher Muslime. «Die Zahl der gewaltbereiten Islamisten hat im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen», sagte der Minister am Freitag in einem gemeinsamen Interview mit der «Welt» und der türkischen Zeitung «Hürriyet». «Wir
schätzen, dass sich ungefähr 400 junge Menschen aus Deutschland so radikalisiert haben, dass sie unter einer fälschlichen Berufung auf den Islam aus Deutschland Krieg und Terror nach Syrien und in den Irak tragen.» Deutschland und die Türkei, so de Maizière, müssten künftig stärker zusammenarbeiten, um dem Terror zu begegnen.

Bei den Ausgereisten handele es sich überwiegend um Männer, aber auch ein paar Frauen. Die Radikalisierung geschehe sehr schnell in Wochen oder Monaten. Die für den Freitag geplante Mahnwache der Muslime in ganz Deutschland bezeichnete er als «großartige Aktion». «Wenn wir ehrlich sind, gab es bei einem beträchtlichen Teil der nicht-muslimischen Bevölkerung in Deutschland einen Generalverdacht», sagte de Maizière. «Wir können jetzt damit aufräumen. Es ist sehr überzeugend, wenn sich die Muslime in diesem Land vom Terror distanzieren und verurteilen, dass die IS ihre Religion missbraucht.»

Der Innenminister forderte eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Türkei in Hinblick auf die Durchreise von IS-Kämpfern. «Wir müssen uns über die Reisebewegungen von Dschihadisten austauschen», sagte de Maizière. «Das ist aufwändig, da müssen auch Nachrichtendienste zusammenarbeiten.» Im Rahmen seines Besuches in Ankara habe er darüber mit seinem türkischen Amtskollegen gesprochen, so die KNA.

Nach den Festnahmen von Anhängern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Australien sieht der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), die Warnungen vor gewaltbereiten Islamisten in Deutschland bestätigt. Bosbach sagte der «Welt»: «Wir wissen seit geraumer Zeit, dass wir eine erhöhte Bedrohungslage haben. Die besorgniserregenden Nachrichten aus Australien bestätigen doch, dass die Warnungen des Innenministers kein Alarmismus sind.» Deutschland stehe vor großen Herausforderungen, gegen die gewaltbereiten Islamisten im Inland und die gewaltbereiten Rückkehrer aus den Kampfgebieten vorzugehen.

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