Türkei hilft und öffnet die Grenze für syrische Flüchtlinge

Die Türkei behält trotz der immensen Flüchtlingsströme in den vergangenen dreieinhalb Jahren ihre Politik der offenen Tür bei. Aktuell hat sie angesichts des Vormarsches der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien erneut zahlreichen Menschen die Einreise erlaubt. Schon jetzt befinden sich rund 1,2 Millionen syrische Bürgerkriegsflüchtlinge auf türkischem Boden.

In einer Live-Übertragung des Senders CNN-Türk war zu sehen, wie Frauen, Kinder und Männer am Freitag zu Fuß mit wenigen Habseligkeiten die Grenze in der Region Suruc passierten. CNN-Türk berichtete, der Übertritt sei von der türkischen Seite genehmigt worden. Zuvor war es an der Grenze zu Tumulten gekommen. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie türkische Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer einsetzten.

Tausende Menschen hatten nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan seit Donnerstag an der Grenze ausgeharrt. Sie waren aus Angst vor Massakern der anrückenden Extremisten geflohen. Diese haben in der Region inzwischen mindestens 24 vor allem von Kurden bewohnte Dörfer eingenommen.

Für Irritation sorgt am Nachmittag ein Tweet der deutschen Moderatorin, Autorin und Journalistin Corinna Milborn. Kurz vor 16.00 Uhr postet sie ein Bild auf dem Flüchtlingsmassen auf der einen und Militärs auf der anderen Seite zu sehen sind. Dazu schreibt sie:

In der anschließenden Diskussion schreibt sie, dass eine Person ( ) direkt an der Grenze stehe. Die freie Reporterin berichtet auf ihrem eigenen Account:

Später schreibt sie:

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hatte am Donnerstagabend zugesichert, dass die Türkei den Flüchtlingen auf der syrischen Seite der Grenze helfen werde. In der Türkei halten sich nach Regierungsangaben schon jetzt 1,2 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien auf.

Bereits 2013 rutschte die Türkei unter die zehn wichtigsten Zufluchtsorte der Welt. Innerhalb eines Jahres, so das UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge im Sommer 2013, hat sich die Türkei von Rang 59 zum zehntwichtigsten Flüchtlings-Gastgeberland entwickelt. „In keinem anderen Land war der Wandel so dramatisch“, hieß es damals. Diese Last, so auch UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres, könne aber nur gemeinsam geschultert werden (mehr hier).

Mittlerweile gilt die Türkei auch als drittgrößtes Spenderland für humanitäre Hilfe. Mit 1,6 Milliarden US-Dollar mehr humanitäre Hilfe geleistet als Japan oder Deutschland. Ein Grund für den rasanten Anstieg ist der im Laufe des vergangenen halben Jahres aufflammende Konflikt zwischen den Regierungen Syriens, des Iraks und der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Sowohl in der Türkei selbst als auch auf kurdischem Gebiet im Nordirak hatte sich die Türkei um Flüchtlinge bemüht. Große Teile der von der IS verfolgten Jesiden suchten Schutz im nordirakischen Autonomiegebiet oder schlugen sich durch bis in die Türkei. In der Nähe der Stadt Zakho soll nun ein neues Flüchtlingscamp errichtet werden, berichtet die Nachrichtenplattform Worldbulletin. Laut Angaben des türkischen Katastrophenschutzes AFAD sollen 30 bis 40.000 Jesiden nach Syrien geflohen sein, während 6500 weitere Menschen Schutz nahe der Grenze suchen.
Das von der Türkei geplante Camp soll 16.000 Flüchtlinge aufnehmen können, berichtete die Hurriyet erst Mitte August (mehr hier).

Mit einem internationalen Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) droht der Türkei nun eine neue Flüchtlingswelle. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien ist das Land extrem engagiert. Die in einigen Regionen schon jetzt zum Bersten gespannten Kapazitäten könnten nicht mehr ausreichen (mehr hier).

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