Beratungsstelle des Bundes: Mehr Angehörige von Salafisten suchen Hilfe

Zunehmend suchen Angehörige von Salafisten Hilfe und Beratung. Die Beratungsstelle Radikalisierung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BMAF) hat seit ihrer Arbeitsaufnahme 2012 etwa 1.000 Anrufe entgegen genommen. Das teilte ein Sprecher am Freitag mit.

Rund 300 hätten sich zu Beratungsfällen entwickelt. «Zurzeit erreichen uns pro Woche drei bis fünf neue Anrufe, viele davon mit Bezug zum syrischen Bürgerkrieg», so der BMAF-Sprecher zur Berliner Zeitung. «Die Tendenz ist steigend.»

Nur 30 bis 40 Prozent der Anrufer hätten einen Migrationshintergrund, die übrigen nicht. «Dass Betroffene anrufen, ist eher die Ausnahme», fügte der Sprecher hinzu. Stattdessen riefen die Eltern an – hier vor allem die Mütter -, Geschwister, Freunde und Lehrer. Die dreiköpfige Beratungsstelle vermittle dann weiter an Beratungsstellen vor Ort.

Ziel sei es, das Beziehungsumfeld des von der Radikalisierung Betroffenen zu stärken. Erfolge zu vermelden, sei schwierig, heißt es. Doch in Einzelfällen sei es gelungen, Islamisten etwa aus dem syrischen Bürgerkrieg zurückzuholen. Teilweise schalte das BAMF selbst die Sicherheitsbehörden ein, teilweise täten es die Angehörigen oder drängten darauf.

Dass sich überwiegend junge Menschen dem Salafismus zuwendeten, habe verschiedene Gründe, so die KNA. Zum einen werde den Jugendlichen Orientierung geboten. Manche Jugendliche wollten aber auch rebellieren und ihre Eltern damit provozieren. «Früher war man eben Punk, heute schockiert man mehr, wenn man sich beispielsweise voll verschleiert oder weiße Gewänder trägt und sich einen Bart wachsen lässt», sagte der Sprecher.

Ein Präventionsnetzwerk gegen salafistische Radikalisierung soll auch in Niedersachsen starten. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) legte am vergangenen Dienstag in Hannover gemeinsam mit den muslimischen Verbänden DITIB und SCHURA die Grundzüge einer solchen Beratungsstelle fest (mehr hier).

Die meisten Islamisten aus Deutschland, die sich militanten Gruppen in Syrien angeschlossen haben, sind eher ungebildet. Einer Analyse im Auftrag der Innenministerkonferenz zufolge hat nur jeder vierte von ihnen einen Schulabschluss. Gemäß der Studie brachten sechs Prozent eine Ausbildung zu Ende, ein Studium zwei Prozent (mehr hier). Wie die Studie des Verfassungsschutzes weiter zeigt, begann ihre Radikalisierung fast ausnahmslos in der Salafistenszene (mehr hier). 117 der Ausgereisten begingen bereits Straftaten, bevor sie sich radikalisierten. Meist handelte es sich um Gewalt-, aber auch Eigentums- oder Drogendelikte.

Betroffene können sich auch an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wenden: (0911) 9 43 43 43 oder beratung@bamf.bund.de. Die DITIB-Gemeinde in Niedersachsen bietet außerdem eine Hotline für Familien- und Sozialberatung an: (0221) 3 55 55 90.

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