Bedrohung durch IS: Militärbischof sieht Friedensethik vor neuen Herausforderungen

Neue Bedrohungszenarien wie das Phänomen der islamistischen Terrorgruppe «Islamischer Staat» stellen nach Ansicht des katholischen Militärbischofs Franz-Josef Overbeck auch die Friedensethik von neue Herausforderungen. «Die Herausforderungen sind so komplex, dass wir in den klassischen Kategorien eines Kriegsgeschehens weder denken noch handeln können», sagte Overbeck am Freitag. Ab Montag wird sich die Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auch mit Fragen des Konflikts im arabischen Raum und der Christenverfolgung befassen.

«Wir leben leider in einer von Konflikten geprägten Welt, die es gerade von Deutschland verlangt, Verantwortung zu übernehmen», betonte der Essener Bischof in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). «Maßstab und Ziel muss stets ein gerechter Friede sein. Das kann als »ultima ratio« auch die Anwendung von Gewalt verlangen.»

Als Antwort auf die neuen Herausforderungen nannte Overbeck das Konzept der «Responsibility to protect», der Schutzverantwortung. «Ja, es gibt eine Pflicht, menschliches Leben zu schützen und alles zu tun, damit Menschen in Würde leben können», betonte der Militärbischof. Aus diesem «Grundprinzip» leiteten sich entsprechende Pflichten ab. Gewaltanwendung dürfe aber immer nur «das äußerste Mittel sein und nur unter sehr strengen Bedingungen angewandt werden».

So müssten alle anderen Möglichkeiten der Konfliktlösung ausgeschöpft sein, ferner dürfe nur so viel Gewalt angewendet werden, wie unbedingt nötig sei, und es sei das Prinzip des geringeren Übels zu beachten. Bei der Frage nach Waffenexporten in Krisenregionen gelte vor allem: «Bedenke das Ende. Wir müssen einkalkulieren, dass diese Waffen anderweitig eingesetzt werden können», gab er zu bedenken.

Overbeck betonte die persönliche Letztverantwortung bei ethischen Entscheidungen. Die Person stehe dabei aber nicht alleine. Hier müssten die Ethik und Theologie Kriterien für ein vernünftig verantwortbares Handeln formulieren.

In der umstrittenen Frage des Einsatzes bewaffneter Drohnen sagte Overbeck, diese hätten den Vorteil, präzise zu sein und könnten helfen, Opfer zu vermeiden. Dennoch blieben einige Punkte zu klären. «Auch eine Drohne wird weiterhin von einem Menschen bedient. Und dieser muss das Handeln vor seinem Gewissen verantworten.» Ferner müsse in jedem Fall das Völkerrecht geachtet werden. Zudem könne der Einsatz die Bevölkerung terrorisieren. «Bei Abwägung aller Fragen kann sich der Einsatz von Kampfdrohnen aber in bestimmen Situationen als das geringere Übel erweisen.»

Mehr zum Thema:

Kampf gegen IS-Terror: Vatikan ohne einheitlichen Kurs
Bedrohung durch IS: Erzbischof von Mossul fordert Hilfe für Christen und Jesiden
Britische Dschihadistinnen zwingen 3000 gefangen genommene Irakerinnen zur Prostitution

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.