Erdoğan erlaubt das Kopftuch an türkischen Schulen

Die türkische Regierung hat das Tragen des Kopftuchs in der Schule erlaubt. Ab der fünften Klasse dürfen Mädchen sich mit einem Kopftuch bedecken. Damit entfällt ein Verbot, dass noch auf Atatürk zurück geht.

Türkische Mädchen dürfen ab sofort ein Kopftuch in der Schule tragen. Das ist ihnen nun ab der fünften Klasse oder ab dem Alter von zehn Jahren erlaubt. Damit beendet die türkische Regierung ein Verbot, das noch auf die Gründung der säkularen Republik im Jahr 1923 zurückgeht. In der Vergangenheit wurde bereits das Kopftuchverbot an Universitäten aufgehoben.

Kopftuchverbot als Frauenrechtsverstoß

„Unsere weiblichen Schüler haben sich nach dem Ende des Kopftuchverbotes gesehnt“, zitiert Reuters den stellvertretenden Ministerpräsident Bülent Arınç. Das Kopftuchverbot soll nur an höheren und weiterführenden Schulen fallen. In der Grundschule bleibe das Kopftuchverbot unangetastet, zitiert die Nachrichtenagentur den türkischen Bildungsminister Nabi Avci. Bereits 2013 war das Kopftuchverbot im öffentlichen Raum und an Universitäten endgültig fallen gelassen worden, nachdem sogar säkulare Türken es als Einschnitt in die Frauenrechte gesehen hatten (mehr hier). Die neue Lockerung des Verbots hatten zahlreiche Medien als Angriff auf die laizistische Grundordnung des Staats gesehen, so die Sabah.

Umfassende Schulreform

Es war nicht die erste grundlegende Veränderung im schulischen Bereich der Türkei. Die umfassende „4+4+4“-Reform hatte in der Türkei für große Diskussionen gesorgt. Die Schulreform geriet in die Kritik, weil man befürchtete, dass gerade konservative Eltern ihre Mädchen von den Schulen nehmen könnten und so Kinderarbeit gefördert werden könnte. Die Reform beinhaltete die Erhöhung der Schulpflicht von acht auf zwölf Jahre. Dabei besteht die Schulzeit aus vier Jahren Grundschule, vier Jahren Mittelschule und weitere vier Jahre bilden die Oberschule, wobei diese Zeit auch in Form einer Fernschule absolviert werden kann. Außerdem wurde das Schuleintrittsalter von 72 auf 60 Monate verringert. Die Unterteilung des Schulsystems in drei Abschnitte hatte zudem vor allem säkulare Kräfte in der Türkei verärgert. Da es bisher keine Mittelstufe gab und die Grundschule bis zur achten Klasse dauerte, konnten Schüler die religiösen Imam-Hatip-Schulen erst mit Beginn der Oberstufe besuchen. Nun ist es ihnen jedoch möglich, schon die Mittelstufe auf einer solchen Schule zu absolvieren (mehr hier).

Leistungsfähiges Schulsystem

Das Schulsystem der Türkei galt bislang als leistungsfähig. Bei einem neuen OECD-Ranking hatte sich das Schulwesen als besonders effizient herausgestellt. Eine der OECD am 4. September vorgelegte Studie verglich 30 OECD-Staaten und setzte den Erfolg ihres Bildungssystems in Verbindung mit dem dafür bereitgestelltem Geld. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellte auch heraus, dass das türkische Bildungssystem in den Bereichen Lesen, Mathematik und Wissenschaft mit den Ergebnissen des PISA-Primus Finnland konkurrieren kann. Die Türkei schließt damit besser ab als einige westeuropäische Länder. Die Länder Schweiz und Deutschland sowie mehrere südeuropäische Staaten konnten beim Effizienzindex nicht so gut wie dir Türkei abschließen. Die Studie an sich ist die erste ihrer Art und orientiert sich an der Effizienz des Bildungssystems, gemessen am Budget. Die Budgetgröße und letztendliche Unterrichtsqualität bleiben hier unbeobachtet (mehr hier).

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