Einkommen sind in der Türkei gerechter verteilt als in den USA

Laut des türkischen Statistikamtes (TSI) hat sich die Einkommensverteilung im Land leicht verbessert. Sie wäre damit das erste Mal besser als die in den USA. Trotzdem sind in der Türkei die Haushaltseinkommen so ungleich verteilt, wie in wenigen anderen OECD-Staaten.

Die türkische Regierung hat ihre Volkswirtschaft gut aus der Finanzkrise manövriert. Auch die Gleichverteilung der Einkommen hat sich in den vergangenen Jahren leicht verbessert und ist nun besser als in den USA. Doch die weltgrößte Volkswirtschaft ist kein richtiges Vorbild. Abgesehen von einigen anderen Staaten, ist hier Einkommen so ungleich verteilt, wie in wenigen anderen Ländern der Welt. Auch die Türkei liegt noch weit über dem Durchschnitt der anderen OECD-Staaten.

Reiche Türken verdienen über 7 Mal mehr als die ärmsten 20 Prozent

Laut einer Studie, die das türkische Statistikamt (TSI) herausgab, verdienen reiche Türken über sieben Mal mehr als der ärmste Teil der Bevölkerung. Die einkommensstärksten 20 Prozent der Türken verdienen 46,6 Prozent aller türkischen Einkommen, während der Verdienst der ärmsten Türken lediglich 6,1 Prozent aller Einkommen ausmacht.
Ein wichtiges Maß zum internationalen Vergleich ist der Gini-Koeffizient. Das Maß beschreibt die Einkommensverteilung in einem Land. Seine Werte befinden sich immer zwischen null eins. Je näher er dem Wert eins kommt, desto ungleicher sind die Einkommen in einer Gesellschaft verteilt. Hier konnte die Türkei im Jahr 2013 einen Wert von 0,4 erreichen und ist damit besser als in den vorherigen Jahren. Der Wert liegt damit noch deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Dieser beträgt 0,3 und wird von etlichen Staaten, wie den Niederlanden, Deutschland und den skandinavischen Staaten unterschritten. Hier sind Einkommen in der Gesellschaft gleicher verteilt.
Betrachtet man das Einkommensungleichgewicht in der Türkei aber in den letzten 20 Jahren, sei hier eine insgesamt positive Entwicklung zu erkennen, so Inequalitywatch.

Türkei besser als andere BRICS-Staaten

Jedoch schneidet die Türkei immer noch besser als andere Staaten der aufstrebenden BRICS-Länder ab. Im Vergleich zu China (0,47), Brasilien (0,5), Russland (0,42) sind die Einkommen hier gerechter verteilt, so die Sabah. Die USA haben einen Gini-Koeffizient von 0,42 und seien damit schlechter als die Türkei, sagt das Blatt in Bezug auf the Economist. So sei besonders das Einkommensungleichgewicht nach dem Steuerabzug alarmierend für ein wirtschaftlich so bedeutendes Land. Seit 1985 ist hier der Gini-Koeffizient beharrlich gestiegen. Noch im Jahr 1985 war dieser bei einem Wert von 0,34 und ähnlich wie heute im Vereinigten Königreich.

Menschen in Istanbul haben das meiste Geld zum Leben

Ein türkischer Haushalt verdient im Durchschnitt 29.479 Lira im Jahr, was etwas mehr als 10.200 Euro entspricht. Nach der Steuer bleiben davon durchschnittlich 13.250 Lira, also ungefähr 4600 Euro übrig. Vergleicht man diesen Wert zwischen verschiedenen türkischen Regionen wird klar, dass Menschen aus Istanbul nach Abzug der Steuer am meisten Geld zur Verfügung haben. Regionen in Südostanatolien sind hingegen sehr arm. Hier hat ein Haushalt nach Abzug der Steuer jährlich noch 6920 Türkische Lira zur Verfügung, was etwas mehr als 2400 Euro sind. Für die Steuerlast kommen aber auch in der Türkei vor allem die einfachen Arbeitnehmer auf (mehr hier). Laut einem Bericht des Finanzministeriums für das Jahr 2013, lagen die Steuereinnahmen in der Türkei bei 326 Milliarden Lira,  umgerechnet 113 Milliarden Euro. Indirekte Steuern auf Konsum, wie die Umsatzsteuer und Verbrauchssteuer, betrügen 68 Prozent von diesen Einnahmen. 16,3 Millionen Lohnabhängige und zehn Millionen Rentner hätten somit den größten Anteil an indirekten Steuern, berichtet Hürriyet Daily News.

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