Türkische Banken machen mit den jungen Deutsch-Türken wenig Geschäfte

Das Verhältnis zwischen türkischen Banken und Deutsch-Türken hat sich gehörig verändert. Die Geldinstitute sahen sich in den vergangenen Jahren zunehmend zur Umorientierung gezwungen. Einst als Überweisungsbank für türkische Arbeiter in Deutschland gestartet, verlor dieses Geschäft zunehmend an Bedeutung. Heute sind die Institute eher mit schlanken Strukturen in Deutschland präsent. So konzentrieren sich die Banken auf Handelsfinanzierungen und auf das Internet.

Der potenzielle Kundenkreis ist groß: rund drei Millionen. So viele türkischstämmige Menschen leben derzeit in der Bundesrepublik Deutschland. Würde dieses Potenzial gehoben, die türkischen Banken in Deutschland hätten ein gutes Auskommen. Tatsächlich aber haben sich die türkischen Banken mehr und mehr zu Nischenanbietern entwickelt. Die Akbank beispielsweise hat sich vollends aus dem Filialbankgeschäft zurückgezogen und konzentriert sich nunmehr auf das Handelsgeschäft. Das Geschäft mit Tages- und Festgeldkonten wird komplett über das Internet abgewickelt.

Die türkischen Banken mussten in den vergangenen Jahren alle ihre Nische suchen, um bestehen zu können. Vor allem in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnten sie tatsächlich aus einem großen Kundenreservoir schöpfen, in der Zeit als viele Türken nach Deutschland kamen, um in deutschen Unternehmen zu arbeiten, während ihre Familien meist in der Türkei lebten. Die Türken nutzten die Banken als Überweisungsvehikel für die Gelder an ihre Familien in der Heimat. Das allerdings ist heute kaum noch gefragt, denn die türkischen Arbeiter von damals haben ihre Familien längst hier etabliert, ihre Kinder und Kindeskinder leben schon in der dritten und vierten Generation in Deutschland.

Der Handel zwischen Deutschland und der Türkei hat sich unterdessen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Deutschland ist für die Türkei bis heute das wichtigste Exportland und der größte ausländische Investor. Nach Angaben des Auswärtigen Amts erreichte das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2013 mit einem Anstieg von nahezu fünf Prozent einen neuen Rekordwert von insgesamt 33,8 Mrd. €. Die türkischen Exporte nach Deutschland sind dabei um 1,4 Prozent auf 13,5 Mrd. € gestiegen. Die Zahl deutscher Unternehmen bzw. türkischer Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in der Türkei ist inzwischen auf rund 5.750 gestiegen. Schwerpunkte der Handelsaktivitäten sind die Industrieerzeugung und der Vertrieb, Dienstleistungsangebote sowie die Führung von Einzel- und Großhandelsbetrieben. In Deutschland beschäftigen rund 75.000 türkischstämmige Unternehmer etwa 370.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von ca. 35 Mrd. €.

Niederlande als Sprungbrett in den europäischen Markt

Gerade diese Handelsbeziehungen sind oft die Nische, die sich die türkischen Banken gesucht und besetzt haben. Ihr Europa-Engagement begannen viele türkische Banken in den Niederlanden. Das Bankengesetz der Niederlande galt lange als das liberalste Bankengesetz des europäischen Kontinents. So haben sich viele türkische Bankinstitute die Niederlande als Sprungbrett in den europäischen Markt ausgesucht. Mittlerweile haben sich die Regularien für Banken bekanntermaßen angeglichen, und so wurde Deutschland, meist die Bankenmetropole Frankfurt am Main, zum Hauptstandort der europäischen Aktivitäten von türkischen Banken. In Deutschland sind derzeit acht türkische Institute aktiv, wobei einige immer noch aus ihrer Zentrale in den Niederlanden heraus agieren. „Türkische Banken haben in Deutschland eine besondere Bedeutung“, sagt Oliver Wagner, Geschäftsführer des Verbands der Auslandsbanken. Schon seit Jahren sitzen Vertreter türkischer Banken im Verbandsvorstand. Seit 2012 ist dies Banu Özcan von der Akbank, zuvor war es Atilla Cetiner von der Ziraat Bank.

Mitte der 1960er Jahre eröffnete die Muttergesellschaft, die T.C. Ziraat Bankasi A.S. aus Ankara, die erste Repräsentanz in Deutschland. Nach und nach wurden die Standorte erweitert und zählen mittlerweile zehn. Neben Frankfurt ist die Ziraat Bank auch in Berlin, Duisburg, Hamburg, Hannover, Köln, München, Stuttgart, Essen und Nürnberg vertreten. Das Unternehmen weist für 2013 eine Bilanzsumme von 912 Mio. € auf. Mit den zunehmenden Geschäftsbeziehungen zwischen der Türkei und Deutschland sowie dem Anwachsen der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland konnte die Bank zunehmend „türkische“ Bankdienstleistungen anbieten. Die Bank ist mit 32 Prozent noch an der Turkish Ziraat Bank Bosnien mit Sitz in Sarajewo und mit vier Prozent an der Azer-Türk Bank mit Sitz in Baku beteiligt und positioniert sich als Universal-Geschäftsbank.

Handelsbrücke zwischen Westeuropa und der Türkei

Eine weitere Bank ist die Isbank, mit einer Bilanzsumme von 917 Mio. € per Ende 2013. Sie hat eine schon vergleichsweise lange Tradition in Deutschland. Die Türkiye Is Bankasi A.S. war die nach eigenen Angaben erste türkische Bank, die Auslandsfilialen eröffnete, 1932 nahm die erste Niederlassung in Deutschland in Hamburg ihre Arbeit auf. Die Zweigstelle wurde während des Zweiten Weltkriegs geschlossen. Im Jahr 1965 kehrte die Türkiye IS Bankasi A.S˛. mit der Eröffnung einer Repräsentanz in Frankfurt am Main nach Deutschland zurück. Die Isbank AG wurde im Jahr 1992 als Tochtergesellschaft der Türkiye IS Bankasi A.S. gegründet und übernahm danach die Aktivitäten der Muttergesellschaft in Europa.

„Die Isbank setzt stark auf den Ausbau des Handels zwischen Westeuropa und der Türkei und fungiert dabei als Brücke von Europa zur Türkei“, sagt Nevzat Burak Seyrek, der Vorstandsvorsitzende der Isbank AG. Zielkunden seien nicht nur in Europa ansässige türkischstämmige Personen und Firmen, sondern auch europäische Privatkunden und europäische Unternehmen mit Handels- und Investitionsbeziehungen in der Türkei. „Die Waren- und Dienstleistungsströme werden zukünftig auch in beide Richtungen weiter zunehmen“, so Seyrek. Die seit über 50 Jahren bestehende Oyak Anker Bank wurde 1958 als Allgemeine Teilzahlungsbank (ATB Bank) von einem Finanzvermittler in Koblenz gegründet. Auch sie hat heute ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main. Im Jahr 1989 erwarb die Omnium Genève S.A. die ATB Bank und benannte sie in Anker Bank um. 1996 stärkte die Oyak Gruppe mit der Akquisition der Anker Bank ihre Position in Europa und firmierte fortan als Oyak Anker Bank. Seit 2004 ist sie eine Tochtergesellschaft der Oyak, dem größten privaten Pensionsfonds der Türkei. Die Oyak Anker Bank GmbH mit ihren Filialen in den Städten Bonn und Koblenz ist eine deutsche Bank. Sie ist eigenen Angaben zufolge vorrangig im Kredit- und Anlagebereich sowie mit individuellen Lösungen für Privat- und Firmenkunden unterwegs. Außerdem ist die Oyak Anker Bank sowohl im Korrespondenzgeschäft als auch in internationalen Bankgeschäftenaktiv.

Die Bilanzsumme betrug im Jahr 2012 rund 760 Mio. €. Neuere Zahlen weist die Bank derzeit nicht aus. Die Bank gehört zur Oyak-Gruppe, die wiederum zu den größten türkischen Konzernen mit rund 55 Firmen aus der Industrie sowie dem Finanz- und Dienstleistungssektor mit insgesamt 28.000 Mitarbeitern zählt. Die GarantiBank in Deutschland ist eine Niederlassung der in Amsterdam im Jahre 1990 gegründeten GarantiBank International N.V. Die Mutter in Amsterdam ist eine Aktiengesellschaft niederländischen Rechts. Im Jahr 1999 öffnete die GarantiBank in Deutschland ihre Tore, und zwar in München unter dem Namen United Garanti Bank International N.V. Im März 2000 verlegte das Institut seinen Geschäftssitz und die operative Zentrale nach Düsseldorf. Seitdem firmiert die Bank unter dem Namen GarantiBank International N.V. Neben den Sparangeboten bilden vor allen Dingen der Außenhandelsfinanzierungsbereich und die Privatkundendarlehen die weiteren Geschäftssäulen dieser Nischenbank. Derzeit sind 23 Mitarbeiter für die GarantiBank tätig.

Beim jüngsten Markteintritt in Deutschland handelt es sich um das türkische Geldhaus Kuveyt Türk. Das Institut hatte im Oktober 2013 eine Vollbanklizenz beantragt und will die erste islamische Bank in Deutschland werden. Der deutsche Ableger stammt aus dem Unternehmensverbund der Kuveyt Türk Katılım Bankası A.S˛., an dem mehrheitlich die islamische Bank Kuwait Finance House beteiligt ist. Kuveyt Türk verfügt bereits über eine Filiale in Mannheim (Kuveyt Türk Beteiligungsbank Deutschland) und baut das Vollbankgeschäft mit Girokonto, Bau- und Fahrzeugfinanzierung jetzt in Frankfurt weiter aus. Die Finanzierungsprodukte werden über eine islamkonforme Struktur des Murabaha angeboten. Dabei kauft die Bank eine Immobilie oder ein Auto und verkauft es dann dem Kunden mit Preisaufschlag über Ratenzahlung wieder.

Wenig Filialen und wenig Personal

Obwohl Handelsfinanzierungen und Finanzdienstleistungen rund um deutsch-türkische Produktionen einen Schwerpunkt für türkische Banken bilden, auch das Thema Internet und IT haben türkische Banken schon frühzeitig für sich entdeckt und grenzen sich damit von der Konkurrenz ab. So ist es vielleicht auch zu erklären, dass die türkischen Banken derzeit zu jenen Instituten gehören, die die höchsten Zinssätze auf Tagesgeld und Festgeld zahlen. Die Akbank zahlt seit 15. August 1,2 Prozent auf Festgeld, das ein Jahr angelegt wird, die Isbank zahlt 0,9 Prozent. Bei der Ziraat Bank bekommen Kunden bei Neuanlagen mit einer Laufzeit zwischen 12 und 23 Monaten derzeit 2,5 Prozent Zinsen gutgeschrieben.

Türkische Kreditinstitute in Deutschland folgen in der Regel einem sehr schlanken Geschäftsmodell. Das Filialnetz ist übersichtlich, der Mitarbeiterstamm eher klein. Obwohl die Banken nicht mehr als klassische Überweisungsbank genutzt werden, so profitieren sie in Deutschland meist davon, dass die sehr viel größere Muttergesellschaft in der Türkei als Universalbank am Markt bekannt und präsent ist und dort oft als Erstbank genutzt wird. In Deutschland handelt es sich dann für die Kunden eher um eine Dritt- oder Viertbank, wenn es um private Transaktionen geht.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf die-bank.de.

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