Ägypten verbietet türkische TV-Serien aus Protest gegen Erdoğan

Erneut muss das ägyptische TV-Publikum die Konsequenzen politischer Spannungen mit der Türkei ausbaden. Nachdem Serienfans zuletzt im Sommer 2013 auf türkische Daily Soaps verzichten mussten, will der ägyptische Informationsminister Essam al-Amir nun abermals zu derartigen Sanktionen greifen. Grund diesmal: Der türkische Präsident Erdoğan hatte am Mittwoch bei der UN-Vollversammlung seinen ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi kritisiert.

Als Reaktion auf die harsche Kritik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan will Ägypten türkische Seifenopern aus dem Fernsehen verbannen. Der ägyptische Informationsminister Essam al-Amir habe eine entsprechende Bitte an die Redaktionen aller Satellitensender gesandt, meldete die ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Sonntag. Die Sender sollen demnach ab sofort türkische Serien jeglicher Art boykottieren. Türkische Seifenopern sind gerade während der Feiertage wie der bevorstehenden Hadsch im arabischen Raum sehr beliebt.

Erdoğan hatte am Mittwoch bei der UN-Vollversammlung seinen ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi kritisiert, er sei mit einem Militärputsch an die Macht gekommen und habe einen demokratisch gewählten Präsidenten unrechtmäßig abgesetzt. Al-Sisi hatte in seiner damaligen Funktion als Militärchef den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 nach Volksprotesten abgesetzt und einen Aufstand seiner Anhänger blutig niedergeschlagen. Die Worte Erdoğans hatte die bestehende diplomatische Krise zwischen beiden Ländern verschärft.

Bereits im Sommer 2013 boykottieren ägyptische  TV-Sender und Produktionsfirmen die so beliebten türkischen Soaps. Grund war damals die türkische Kritik an dem Militärputsch (mehr hier).

Mossad Fouda, ägyptischer TV Direktor und Leiter des Ägyptischen Kino Verbands, sagte dazu:

„So eine Initiative war wichtig. Sie hat die Aufmerksamkeit verschiedener Produktionsfirmen auf sich gezogen, sowohl private als auch staatliche. Auch viele Kanäle haben vermieden, türkische Serien aus Protest gegen die Einmischung der Türkei in ägyptische Angelegenheiten und die negative Haltung zur 30. Juni Revolution zu zeigen.“

Auch Shokry Abu Emera, Vorsitzender der ägyptischen Radio und Fernsehen Union, hat die Ausstrahlung von türkischen Serien gestoppt, deren Rechte er bereits vor einiger Zeit erlangt hatte, berichtet die Hürriyet.

Türkische Serien werden mittlerweile in über 20 Ländern mit Begeisterung verfolgt. Die Soaps sind zu einer diplomatischen Kraft geworden und verbreiten den türkischen Lifestyle (mehr hier).

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