Türkei verbietet Piercings und Make-up an Schulen

Der türkische Regierung setzt den von Präsident Recep Tayyip Erdoğan vorgegebenen konservativen Kurs weiter fort. Während das Kopftuch nun ab der fünften Klasse wieder erlaubt ist, sind Piercings und Make-up für die jungen Leute künftig tabu. Auch Bärte oder Tatöwierungen sind nicht mehr erwünscht. Kritiker sehen den säkularen Staat zunehmend in Gefahr.

Die türkische Regierung setzt den Kurswechsel in den Schulen des Landes weiter fort und verdeutlicht, wie sie sich türkische junge Leute künftig vorstellt. Nachdem erst vor Kurzem das auf Atatürk zurückgehende Kopftuchverbot gefallen ist, werden die Schülerinnen und Schüler nun in andere Richtungen reglementiert. Körperschmuck wie Tattoos und Piercings sind in Zukunft ebenso wenig erlaubt, wie Bärte oder Make-up.

Die jüngsten Einschränkungen in der persönlichen Entfaltungsfreiheit gehen auf ein am 27. September veröffentlichtes Regierungsdekret zurück. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Die damit verbundenden Vorschriften sind weitreichend: Gefärbte Haaren sind demnach ebenfalls nicht mehr erwünscht.Auch Schals, Mützen oder Taschen mit politischen Emblemen und Aufschriften sind an den Lehranstalten verboten.

Wie die International Business Times berichtet, werden bereits Stimmen aus den Reihen der politischen Opposition laut. So fürchte etwa CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu eine weitere Aufweichung und Bedrohung der säkularen Grundprinzipien des Landes. Er kündigte an, sich per Petition an das Verfassungsgericht wenden zu wollen. Kritiker des Dekrets halten dieses jedoch schlicht nicht für umsetzbar. So der Chef der Lehrergewerkschaft Egitim Is, Veli Demir, diese als Form der Unterdrückung. Er frage sich zudem, was mit jenen Schülern geschehe, die bereits tätowiert oder gepierct seien. Diese Entscheidung könne seiner Ansicht nach nicht von einer vernünftigen Person getroffen worden sein.

Noch weiter gehen will hingegen die türkische Bildungsgewerkschaft Eğitim-Bir-Sen. Ihres Erachtens müsse nun auch über eine Wiedereinführung der Geschlechtertrennung im Unterricht und Freiheit von der Schulkleiderordnung nachgedacht werden, so die Hürriyet.

Bereits 2012 ließ Erdoğan verlauten, eine religiöse Jugend in der Türkei heranziehen zu wollen. In der Polit-Talkshow „Tarafsız Bölge“ (so viel wie „Unparteiischer Raum“) hatte sich der damalige Ministerpräsident zur Zukunft der türkischen Jugend geäußert. Und das in einer Weise, die kurz darauf für viel Diskussionsstoff sorgte. „Wir möchten eine religiöse Jugend heranziehen“, hatte er gesagt und provokativ gefragt: „Oder wollt ihr, dass die Jugendlichen zu Lösungsmittel-Schnüfflern werden?“ (mehr hier).

Zuletzt wurde in der Türkei das Kopftuch an Schulen wieder zugelassen. Ab der fünften Klasse dürfen Mädchen sich nun mit einem Kopftuch bedecken. Damit entfällt ein Verbot, dass noch auf Atatürk zurück geht (mehr hier).

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