Drama in Istanbuler U-Bahn: Mann wird von Eisenstange aufgespießt

Nur wenige Wochen nach dem dramatischen Baustellenunglück ist es in Istanbul abermals zu einem verheerenden Zwischenfall gekommen. Diesmal wurde ein Mann von einer Eisenstange aufgespießt. Diese hatte sich in einen U-Bahn-Waggon gebohrt. Wie es zu dem Drama kommen konnte, wird derzeit von der Polizei untersucht.

Eine Eisenstange hat sich in der türkischen Millionenmetropole Istanbul in einen U-Bahn-Waggon gebohrt und bei voller Fahrt einen Passagier aufgespießt. Die Stange sei am Montag in die rechte Hüfte des 33-Jährigen eingedrungen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Der Mann sei in ein Krankenhaus gekommen und werde operiert. Der U-Bahnbetrieb sei kurzzeitig eingestellt worden.

Die Zeitung «Hürriyet» berichtete, die Eisenstange stamme vermutlich von einer nahen Baustelle. Wie genau es zu dem Unfall kam, war zunächst unklar. Die Behörden untersuchten den Hergang.

Auf türkischen Baustellen kommt es wegen mangelhafter Arbeitssicherheit immer wieder zu Unfällen. Erst Anfang September waren in Istanbul beim Absturz eines Baustellenfahrstuhls aus dem 32. Stock zehn Bauarbeiter ums Leben gekommen.

Der tödliche Arbeitsunfall hatte mehr als 1000 Menschen auf die Straße getrieben. Am Unfallort demonstrierten die Bürger gegen die schlechten Arbeitsbedingungen im Land. Die türkische Polizei beantwortete die Proteste wie schon beim Grubenunglück von Soma mit Tränengas und Wasserwerfern (mehr hier).

Die Szenen ähneln massiv den Vorgängen nach dem verheerenden Minenunglück von Soma Mitte Mai dieses Jahres. Damals kamen mehr als 300 Kumpel unter Tage ums Leben. Zehntausende gingen darauf hin in der Küstenmetropole Izmir auf die Straße, um den Opfern zu gedenken. Die Polizei reagierte auf die Massenproteste mehrmals mit massiver Gewalt und zerstreute die Mengen mit Tränengas und Wasserwerfern (mehr hier).

Das Thema mangelhafte Arbeitssicherheit kreist bereits seit Jahren über der Türkei. Schon 2012 stufte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) das Land in ihrem Bericht unter die Top 3 der schlechtesten Arbeitsbedingungen weltweit ein. Erhoben wurden Daten aus 82 Ländern. Lediglich Algerien und El Salvador lagen in Sachen Todesfällen auf Grund von Arbeitsunfällen hinter der Türkei. Fast parallel hatte die Istanbuler Vereinigung für Gesundheit der Arbeitnehmer und Arbeitssicherheit eine beunruhigende Zahl von Todesopfern bei Arbeitsunfällen veröffentlicht. Demnach starben zwischen 2000 und 2012 in der Türkei 12.286 Menschen bei einem Arbeitsunfall (mehr hier).

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