Türkische Lösungen für die Welt: In Istanbul soll eine islamische Universität entstehen

Der Präsident der türkischen Religionsbehörde (Diyanet) Professor Dr. Mehmet Görmez kündigte an, eine islamische Universität in Istanbul eröffnen zu wollen. Er sieht die Hochschule als Ergänzung zu anderen namhaften islamischen Universitäten weltweit, wie etwa die Al-Azhar-Universität in Ägypten. Auch Kontakte nach Deutschland werden angestrebt.

Sein Vorhaben präsentierte Professor Görmez bereits am Dienstag vor einer Gruppe von Journalisten in Mekka. Ein entsprechender Antrag zur Eröffnung einer islamischen Universität in der Bosporus-Metropole sei demnach bereits bei der obersten Hochschulbehörde der türkischen Republik (YÖK) eingegangen.

Gömez zufolge sei der Plan, die 29 Mayıs Üniversitesi umzuwandeln. Die Stiftungsuniversität der Diyanet-Stiftung beherbergt derzeit das Zentrum für Islamische Studien (İslam Araştırmaları Merkezi – İSAM) und verfügt über eine umfangreiche, aus rund 231.000 Bänden, 3.500 Zeitschriften und 19.400 weiteren Dokumenten bestehende Bibliothek zur islamischen Theologie und Islamwissenschaft. Nun solle sie zur International Islamic University umgebaut werden, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Die Notwendigkeit eines solchen Schrittes liegt für den Akademiker auf der Hand. Seiner Ansicht nach seien islamische Universitäten in Ägypten, Pakistan, Iran und Malaysia warennicht in der Lage“ gewesen, „Lösungen für Probleme in der Welt zu finden“. Das Hauptproblem heute ist, dass die Muslime Leid, Gewalt und Leid untereinander verbreiten“, so Gömez. Deshalb habe man die YÖK um eine entsprechende Genehmigung gebeten, „um friedliche Lösungen für diese Probleme zu finden“.

Ziel der neuen Universität sei es, sich mit den theologischen Fakultäten in Kirgisistan, Kasachstan, Aserbaidschan, der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Straßburg und dem Obersten Islamischen Institut in Sofia zu verbinden.

Die bislang wohl bekannteste islamische Universität ist die Al-Azhar-Universität in Kairo, die die weltweit prominentesten islamischen Gelehrten hervorbringt. Von Bedeutung sind daneben die Medina Islamic University, die Islamabad Islamic University in Pakistan, die Shiite Al-Mustafa International University im Iran und die Malaysia Islamic University, an der auch der türkische Premier Ahmet Davutoğlu Vorträge hält.

Gömez selbst beschäftigt sich bereits seit drei Jahren mit dem Thema. Seiner Ansicht nach würden die Lehrpläne dieser Universitäten keine Lösungen für die Probleme der Muslime bereitstellen. Ganz im Gegenteil würden die Absolventen dieser Hochschulen selbst zum Problem werden.

In Istanbul soll die Ausbildung auf Englisch, Arabisch, Türkisch und Farsi erfolgen, berichtet Haber7. Das Ziel sei es, die anderen Hochschulen zu unterstützen und nicht so sehr als Konkurrenz zu fungieren, so Gömez.

In seinem Treffen mit Journalisten ging Görmez auch auf die Frage des islamischen Extremismus und die Entstehung von Gruppen wie den Islamische Staat (IS), Boko Haram und Al-Shabaab ein. Leider wird die Religion, die einst Sicherheit in die Welt brachte, jetzt als eine Bedrohung für die Sicherheit angesehen. (…) Muslime betonen die externen Faktoren [für diese Probleme], aber sie geben keine internen Gründe zu.“ Genau daran müssten Muslime arbeiten und interne Probleme wie Bildung und Gefängnissysteme angehen, um eine Radikalisierung zu verhindern. Es sei nicht richtig, eine Auffassung dem Islam zu unterstellen, die die Gewaltanwendung und Brutalität segne, keine Moral kenne, Andersgläubige ermorde und die Gräber von Propheten bombardiere, berichtet Mutlak Haber.

Zuletzt drohte PKK-Chef Abdullah Öcalan mit dem Ende der Friedensgespräche, falls es in Kobane zu einem Massaker komme (mehr hier).

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