Lebenserwartung: Türken bleiben vier Jahre hinter EU-Durchschnitt zurück

Die türkischen Bürger leben nach Angaben des Türkischen Statistik Instituts (TÜİK) durchschnittlich vier Jahre kürzer als jene in Europa. Am längsten lebt es sich in der Schwarzmeer Provinz Giresun. Die kürzeste Lebenszeit bleibt in der östlichen Provinz Erzurum.

Die Daten zur durchschnittlichen Lebenserwartung wurden vom TÜİK an diesem Mittwoch herausgegeben. Es ist die  erste offizielle öffentliche Studie des Landes zur Lebenserwartung auf nationaler und Provinzebene.

Demnach können türkische Männer mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 76,3 Jahren rechnen. Frauen leben 79,4 Jahre. Anders die durchschnittliche Lebenserwartung innerhalb der Europäischen Union. Diese liegt derzeit bei 80,3 Jahren und damit rund vier Jahre über der durchschnittlichen Lebenserwartung in der Türkei.

Die Lebenserwartung bei Geburt ist ein wichtiger Indikator für den Stand der sozioökonomischen Entwicklung, der Lebensqualität und der Höhe der Sterblichkeit für die Länder. Sie ist „be­stimmt durch die An­zahl der Jah­re, die Neu­ge­bo­re­ne eines be­stimm­ten Jahr­gangs durch­schnitt­lich leben wür­den, wenn die bei ihrer Ge­burt herr­schen­den Le­bens­um­stän­de und Sterb­lich­keits­ra­ten wäh­rend ihres ge­sam­ten Le­bens kon­stant blie­ben“, so auch das Statistische Bundesamt. Auch die deutsche Behörde sieht die Türkei in ihren Basistabellen für Männer und Frauen am unteren Ende der europäischen Skala, wenn auch mit pessimistischeren Werten als das TÜİK.

Die Daten zeigen auf, dass die Türken in der Schwarzmeer Provinz Giresun mit 78,9 Jahren die höchste Lebenserwartung bei Geburt haben, so die türkische Zeitung Hürriyet. Mit 78,7 Jahren kämen die Schwarzmeer-Provinz Rize und die nordwestliche Provinz Yalova auf den zweiten Platz. Am anderen Ende des Spektrums befänden sich die Einheimischen in der östlichen Provinz Erzurum. Sie haben  mit einer Lebenserwartung von nur 72,1 Jahren durchschnittlich das kürzeste Leben in der Türkei. Nur knapp davor liegen Mardin und Van mit 73,2 und 73,3 Jahren.

Bereits 2013 ergab ein OECD-Report ein ähnliches Bild. Die türkische Bevölkerung arbeitet nicht nur am längsten innerhalb der OECD-Staaten, sie stirbt auch noch am frühesten. Im Vergleich von insgesamt 41 Ländern rangierte die Türkei im Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf Platz 34. Wie aus dem Bericht „Health at a Glance 2013“hervorgeht, ist die Lebenserwartung der Türken mit 74,6 Jahren mitunter am niedrigsten. Schlechter ergeht es nur den Menschen in Mexiko, China, Brasilien, Indonesien, Russland, Indien und Südafrika (mehr hier).

Die OECD merkte jedoch auch positiv an: Fast alle OECD-und Schwellenländer haben eine Steigerung der Lebenserwartung in den vergangenen 40 Jahren erlebt. Gerade in der Türkei, Korea und Mexiko habe sich diese in der Zeit von 1970 bis 2010 um 20 Jahre und mehr gesteigert: „Während die Lebenserwartung in Ungarn nur geringfügig seit 1970 gestiegen ist, hat sie in der Türkei stark zugenommen, so dass man sich schnell dem OECD-Durchschnitt annähert.“

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