Washington bedrängt Ankara: Die Türkei braucht mehr Transparenz für Investoren

US-Handelsministerin Penny Pritzker hat Ankara dazu aufgefordert, Regeln einzuführen, die für mehr Transparenz bei der staatlichen Auftragsvergabe sorgen. Ihr Appell in Richtung der türkischen Regierung ist Teil der Bemühungen, Hürden abzubauen, mit denen US-Unternehmen in der Türkei offenbar konfrontiert werden. Das Land schneide sich damit ins eigene Fleisch, so die Politikerin.

Nach Ansicht von US-Ministerin Pritzker sollte die türkische Regierung Regelwerke einführen, die Diskriminierung entgegenwirkten, für fairen Wettbewerb sorgten und mehr Transparenz im öffentlichen Beschaffungswesen garantierten. Ihre Vorstellungen unterbreitete sie dem Publikum in der vergangenen Woche bei einem Treffen der Turkish-American Business Association und der AmCham Turkey, der Turkish American Chamber of Commerce, am 30. September in Istanbul.

Im Zuge ihres ersten Türkeibesuchs als US-Handelsministerin stellte Pritzker heraus, dass die Handelsbeziehungen zwischen den USA und der Türkei nach wie vor nicht auf dem Niveau angekommen wären, auf dem sie sich eigentlich befinden sollten. Die Politikerin wies darauf hin, dass in der Türkei einige Luft- und Raumfahrt sowie Transport-Ausschreibungen anstünden. Doch Pritzker vermutet, dass ausländische Unternehmen bei Ausschreibungen für solche Angebote behindert würden.

„Ausländische Unternehmen wollen bei diesen Ausschreibungen mitbieten“, zitiert sie die türkische Zeitung Hürriyet. Viele brächten entscheidendes Knowhow mit. Doch in der Vergangenheit hätten diese Betriebe eine Reihe von belastenden Anforderungen und unfairen Bedingungen zu erfüllen gehabt. Und das nur, um im Bieterprozess überhaupt berücksichtigt zu werden.

Die Folgen liegen für die US-amerikanische Unternehmerin und Politikerin auf der Hand: Qualifizierte und engagierte ausländische Unternehmen würden „leider nicht an solchen Ausschreibungen teilnehmen oder würden gar nicht erst versuchen, in den türkischen Markt einzutreten. Bereits vor fünf Jahren hätten die US-amerikanische und die türkische Führungsebene angekündigt, dass man die gegenseitigen wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen wolle. Nun sei es an der Zeit in dieser Sache Gas zu geben, so Pritzker.

Die 55-Jährige stellte aber auch heraus, dass sich beide Staaten den Herausforderungen des Marktes stellen müssten, wenn sie es mit der Intensivierung des bilateralen Handels und Investments ernst meinten.

Die Türkei versuche derzeit mit ihren Ausschreibungen die lokale Produktion anzukurbeln, um Arbeitsplätze zu schaffen, so die Hürryiet. Genau diese Taktik vergraule Pritzker zufolge jedoch ausländische Unternehmen. Die Bedeutung der Schaffung von Arbeitsplätzen verneine sie ebenso wenig wie den Wunsch des Landes, dass ausländische Unternehmen langfristige Investitionen tätigen. Der jetzige Weg sei jedoch kontraproduktiv.

Besondere Schwierigkeiten hätten wohl US-Pharmaunternehmen bei der Beschaffung von in der Türkei notwendigen Lizenzen für den Vertrieb ihrer Produkte (mehr hier). Dem türkischen Gesundheitsministerium hätten schlicht die Kapazitäten gefehlt, um die Firmen bei der Installation ihrer Geschäfte in der Türkei zu begleiten und erforderliche Papiere rechtzeitig auszustellen. So etwas führe häufiger dazu, dass ausländische Unternehmen in einer Art Warteschleife verharren müssten und keinen bzw. nur unzureichenden Zugang zu den türkischen Kunden erhielten. Ein weiteres Beispiel ist der US-Riese Apple. Das Unternehmen scheiterte bei der Tablet-Vergabe an türkische Schulkinder (mehr hier). Auf der anderen Seite wurde das fehlende US-Interesse an dem Bau des zweiten türkischen AKWs bedauert (mehr hier).

Die Türkei habe 2013 mit 6,7 Milliarden US-Dollar die höchste Exportrate in die USA erreicht, zitiert sie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Nun sei politischer Wille gefragt, um die gemeinsame Vision von US-Präsident Barack Obama und Präsident Recep Tayyip Erdoğan umzusetzen.

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