Chaos an der syrischen Grenze: Türkische Polizei greift BBC-Team an

Ein britisches Filmteam ist am vergangenen Wochenende mitten in den syrisch-türkischen Grenzkonflikt geraten. Die BBC-Mitarbeiter waren auf dem Weg Richtung Kobane. Stattdessen griff die türkische Polizei ein und attackierte die Journalisten mit Tränengas.

Der Vorfall ereignete sich in der Nähe von Kobane, derzeit Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und syrischen Kurden, die die Stadt verteidigen. Die türkische Polizei hat zwei Tränengas-Kanister in Richtung der BBC-Mitarbeiter abgefeuert. Einer davon landete im Fahrzeug des Teams und füllte dieses sofort mit Rauch.

Am Wochenende hatte sich die Situation im Grenzgebiet noch einmal verschärft. Nachdem ein türkisches Haus von einer Granate getroffen worden war, kündigten die Behörden an, drei Grenzdörfer zu evakuieren. Auch Journalisten sollten sich aus dem Gebiet zurückziehen. Die Schulen in der Umgebung wurden geschlossen. Der Beschluss sei mit eiserner Hand und jede Menge Tränengas durchgesetzt worden, so die BBC. Kurdische Aktivisten seien über die Felder geflohen, verfolgt von weißen Gaswolken.

Das BBC-Team filmte die Szenen, als ein weißter Polizeiwagen aufgetaucht und einen ersten Tränengas-Kanister in ihre Richtung abgefeuert hätte. Als die Reporter in ihren Wagen flüchten wollten, sei genau dort ein zweiter eingeschlagen. „Er war von nicht mehr als zehn Meter Entfernung abgefeuert worden und hätte leicht jemanden töten können“, so der Journalist Paul Adams. Der Van habe sich nach der Attacke schnell mit Tränengas gefüllt. Vorhänge und Polster hätten begonnen, Feuer zu fangen. Geistesgegenwärtig hätte der Fahrer dieses schnell gelöscht. Ernsthaft verletzt wurde offenbar niemand.

Die Militanten belagern die Stadt nun bereits seit fast drei Wochen. In den vergangenen Wochen haben mehr als 160.000 Syrer, vor allem Kurden, die türkische Grenze aus Angst vor der Terrormiliz IS überquert. Dabei kam es vermehrt zu Ausschreitungen der türkischen Grenzpolizei mit Anhängern der kurdischen Terrororganisation PKK, die sich mit den Flüchtlingen solidarisierten. Der Frust über die bisherige Untätigkeit der türkischen Regierung gegen IS ist groß (mehr hier).

Das türkische Parlament in Ankara hat erst am vergangenen Donnerstagabend seine Zustimmung zu Bodentruppen in Syrien und im Irak gegeben. Das entsprechende Mandat für einen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wurde erteilt. Die Resolution ermöglicht auch ein Vorgehen gegen die Terrororganisation PKK (mehr hier). Aber bislang, so scheint es, seien keine Maßnahmen ergriffen worden, um die Kämpfe zu verhindern, so die BBC.

Der Konflikt in Syrien könnte jetzt auch die Friedensverhandlungen der Türkei mit der Terrororganisation PKK ins Wanken bringen. Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan hatte in der vergangenen Woche einen Warnschuss gen Ankara gerichtet. Kommt es zu einem IS-Massaker in Kobane, sind sämtliche Gespräche mit der türkischen Regierung hinfällig. Der Chef der Terrororganisation PKK rief zum Schutz der syrisch-kurdischen Stadt auf (mehr hier).

In der syrischen Grenzstadt Kobane (arabisch: Ain Al-Arab) kämpfen kurdische Volksschutzeinheiten gegen die vorrückende Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Volksschutzeinheiten in Syrien sind mit der PKK in der Türkei verbunden. Die PKK hat der Türkei vorgeworfen, die Terrormiliz zu unterstützen.

Mehr  zum Thema:

Mausoleum von Süleyman Shah in Gefahr durch Krieg an türkisch-syrischer Grenze
Öl, Gas und der Dollar: Worum es im Syrien-Krieg wirklich geht
Bürgerkrieg in Syrien: Alte Schuld erzeugt neue Schuld

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.