Regionale Spannung und schwächelnde EU: Türkei muss Wachstumsprognose nach unten schrauben

Aufgrund der anhaltenden Spannung im Irak und eines unsteten Wachstums in der EU sieht sich die Türkei gezwungen, seine eigenen wirtschaftlichen Ziele zu korrigieren. Das Land hat seine Jahreswachstumsprognose nun auf 3,3 Prozent herabgestuft. Die Sorgen sind groß, dass es zu einer Abschwächung der Exporte kommt, der Hauptantriebskraft der hiesigen Wirtschaft.

Die Herabstufung der Jahreswachstumsprognose gab der stellvertretende Ministerpräsident Ali Babacan am Mittwoch im Rahmen der Vorstellung des neuen mittelfristigen Wirtschaftsprogramms für die Türkei bekannt. Babacan sagte, dass die aktuelle Prognose der Regierung für das Jahr 2014 um 0,7 Prozentpunkte niedriger sei als das vorherige Ziel. Auch dieWachstumsprognose für das Jahr 2015 wurde von fünf Prozent auf vier Prozent gesenkt. Das fünfprozentige Wachstumsziel für das Jahr 2016 wurde hingegen beibehalten.

Im ersten Quartal dieses Jahres fiel die Wirtschaftsleistung der Türkei stärker aus als erwartet. In der Folge unternahmen einige internationale Institute eine Aktualisierung ihrer Wachstumsaussichten für das Land, so die Nachrichtenagentur Anadolu. Sorgen um eine mögliche Abschwächung der Exporte, immerhin der Hauptantriebskraft der türkischen Wirtschaft, aufgrund der erhöhten geopolitischen Spannungen im Irak und einem fragilen Wachstum in der EU hätten sich jedoch auf die türkische Wirtschaft ausgewirkt. Die Folge: Ankara habe sich nun dazu veranlasst gesehen, seine Ziele zu revidieren.

Im Rahmen des neuen mittelfristigen Wirtschaftsprogramms visiert der türkische Staat ein 5,7-prozentiges Leistungsbilanzdefizit im Verhältnis zum BIP am Ende des Jahres 2014 an. Bis zum Jahr 2017 solle dies auf 5,2 Prozent abgesenkt werden. Die Inflation zum Jahresende wurde von 5,3 Prozent auf 9,4 Prozent heraufgestuft. Allerdings sei das Ziel von fünf Prozent für nächsten zwei Jahre erhalten geblieben, so die Nachrichtenagentur. Was darauf hindeute, dass die Zentralbank weiterhin eine straffe Geldpolitik beizubehalten gedenke.

Die Märkte haben die Inflationszahlen in den vergangenen Monaten genau im Auge behalten. Die türkische Zentralbank hatte angekündigt, die hohe Zinsen zu halten, bis es klare Anzeichen für eine Erholung der Inflationsaussichten geben würde. Allerdings hatten sich einige Regierungsbeamte wiederholt darüber beschwert, dass die hohen Zinsen das Wirtschaftswachstum des Landes dämpfen würden.

„Wir erwarten, dass die Inflation im nächsten Jahr auf 6,3 Prozent fallen wird und wir visieren ein Inflationsziel von fünf Prozent für 2016 und 2017 an“, sagte Babacan. Das neue Programm prognostiziert ein BIP von 10.537 US-Dollar pro Kopf am Ende des Jahres 2014 und 12.229 US-Dollar am Ende des Jahres 2017.

Ursprünglich hatte das Land vier Prozent Wachstum für 2014 angepeilt. Eine Überraschung ist die jetzige Korrektur aber nicht: Bereits Mitte September hatte ein ranghoher Regierungsvertreter diese Ziele allerdings für nicht haltbar erachtet, so das Handelsblatt. Ihm zufolge sei für 2014 ein Plus bei der Wirtschaftsleistung von höchstens 3,4 Prozent und nächstes Jahr von vier Prozent realistisch. Als besonders belastend für die türkische Wirtschaft bezeichnete er ebenfalls die Stagnation der Euro-Zone sowie die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine. Er empfahl eine nachhaltige und moderate Gestaltung des türkischen Wachstums.

Auch Finanzminister Mehmet Simsek und Vize-Regierungschef Ali Babacan hatten zu diesem Zeitpunkt bereits eingeräumt, dass die angepeilten Werte wahrscheinlich verpasst werden würden.

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