Türkische Immobilien: Deutsche werden von Russen überholt

Die sonnenverwöhnten türkischen Küsten scheinen zunehmend Immobilieninteressente aus kälteren Gegenden anzulocken. Die bisherigen Spitzeneinkäufer aus Deutschland müssen sich mittlerweile geschlagen geben. Jetzt liegen Briten und Russen ganz vorne.

Auf dem Höhepunkt der Sommersaison im August kauften Ausländer 1.774 Häuser in der Türkei. Das entspricht einer zweifachen Steigerung gegenüber den 840 verkauften Immobilien im gleichen Monat des Vorjahres.

Die meisten Häuser wurden in diesem Sommer in der Mittelmeer Provinz Antalya veräußert. 591 Immobilien wechselten im bei Russen sehr beliebten Tourismuszentrum den Besitzer. Rang zwei geht an Istanbul mit 511 Verkäufen. Ihnen folgen Mugla mit 133, Bursa mit 96, Aydin mit 92, Mersin mit 70, Yalova mit 64, Ankara mit 38, Sakarya mit 29  und Trabzon mit 28. Die übrigen 121 Häuser wurden in anderen Provinzen verkauft, so Al Monitor.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres hätten Ausländer insgesamt 11.754 Wohnungen gekauft. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 7.238 deutlich weniger. Antalya konnte sich mit 4.284 Wohnungen auch hier erneut an die Spitze der Liste setzen, gefolgt von Istanbul mit 3.444, Aydin mit 753 und Mugla, mit so beliebten Ferienorten wie Bodrum und Marmaris, mit 688.

Nach Angaben des Ministeriums für Umwelt- und Stadtentwicklung sind Ausländer im August 2014 im Besitz von insgesamt 111.579 Wohnungen in der Türkei. Angeführt wird das Ranking von den Briten mit 34.355 Immobilien. Mit 11.770 Einheiten liegen nun die Russen auf Platz zwei. Sie überholen die Deutschen, die mit 10.144 Immobilien auf Platz drei rutschen.

Die übrigen Käufer in den Top 10 sind aus Norwegen (7.681 Wohnungen), Irland (5532), Dänemark (5118), den Niederlanden (4.811), Schweden (3.326), dem Irak (1.650) und der Türkischen Republik Nordzypern (1.262) . Insgesamt besitzen sie 85.649 der ausländischen Häuser. Die restlichen Immobilien werden von Staatsangehörigen außerhalb der Top 10 besessen oder aber die Eigentumsverhältnisse wurden aus verschiedenen Gründen nicht offengelegt.

„Die Zahlen zeigen, dass die Staatsangehörigen aus Ländern mit kühlerem Klima – wie Russland, Schweden, Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und Irland – diejenigen sind, die die wärmeren Regionen in der Türkei bevorzugen“, so das Blatt. Nicht wenige, die ein Haus an der Küste besäßen, nutzten dieses nicht nur im Sommer, sondern während des gesamtes Jahres. So besitzen in der beliebtesten Provinz Antalya Russen 9.396 Wohnungen, gefolgt von den Norwegern mit 6.985, Deutsche haben 5.828 Immobilien, Briten 5.481, Dänen 4.527, Holländer 3.222 und Schweden 2.587.

Die Urlaubsorte in der ägäischen Provinz Mugla und Aydin sind hingegen die Lieblinge der Briten. In Bodrum, Marmaris, Fethiye, Milas, Göcek, Dalyan, Ölüdeniz und Dalaman besitzen Briten 14.852 Wohnungen, zusätzlich zu den 12.892 Häusern in den Bezirken Didim Aydin und Kusadasi. In Istanbul besitzen deutsche Staatsangehörige 834 Häuser.

Bis vor kurzem konnten ausländische Käufer in der Türkei Häuser nur auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit erwerben. 2012 wurde der Erwerb jedoch erleichert (mehr hier). Das Gesetz ermöglicht es Ausländern nicht wie bislang Grundstücke von einer Größe von maximal 2,5 Hektar zu kaufen, sondern Grundstücke von bis zu 30 Hektar zu erwerben. Bei noch größeren Grundstücken muss der potentielle neue Besitzer ein Projekt nachweisen können. Das Parlament verabschiedete zudem ein Gesetz, das die Anzahl der Nationalitäten die „frei von Beschränkungen“ in der Türkei kaufen dürfen, von 89 auf 183 erhöhte. Nach wie vor gibt es jedoch umfassende Beschränkungen für Bürger aus den direkten Nachbarländern. So verbietet das Gesetz etwa griechischen Bürger den Kauf von Immobilien in weiten Teilen der westlichen Türkei. Darüber hinaus untersagt es Bulgaren, Iranern und Syrern den Kauf von Immobilien in angrenzenden Provinzen ihres Heimatlandes (mehr hier).

Die neue Gesetzeslage brachte Bewegung in den türkischen Immobilienmarkt. Die Käufe von Ausländern nahmen zu. Einige veräußerten alte Liegenschaften, um neue zu erwerben und Profit aus den steigenden Preisen zu ziehen. Die Folge: In totalen Zahlen hat sich wenig verändert. Zum Zeitpunkt der Gesetzesänderung besaßen Ausländer etwas mehr als  100.000 Häuser in der Türkei, die aktuelle Zahl liegt bei 111.579. Aus den Top 10 verdrängt wurden hingegen die Griechen. 2012 besaßen 10.832 griechische Staatsangehörige Häuser in der Türkei. Jetzt finden sie sich nur in der Kategorie andere Länder. Ähnliches scheint auch bei Israelis der Fall zu sein. Konkrete Zahlen nenne die Behörde hier aber nicht, so Al Monitor.

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