IS-Proteste in Deutschland: Darum gehen Kurden und radikale Muslime aufeinander los

Die Unruhen in Syrien und im Irak haben sich mittlerweile auch auf Deutschland übertragen. Gleich in mehreren Städten kam es bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten. Doch was sich dahinter verbirgt, scheint der breiten Öffentlichkeit nicht klar.

Nicht nur in Syrien und im Irak eskaliert die Gewalt. Der Hass zwischen den Konfliktparteien ist längst nach Deutschland herübergeschwappt. In Hamburg gingen am Dienstagabend Hunderte Kurden und Islamisten aufeinander los, in Celle standen mehrere Hundert jesidische Kurden und muslimische Tschetschenen mit Knüppeln und Steinen einander gegenüber. Mindestens 23 Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer.

Was ist der Auslöser der Ausschreitungen?

In Syrien rückt die von extremistischen sunnitischen Muslimen gegründete Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Moment in kurdische Ortschaften vor. Die in Deutschland lebenden Kurden nehmen starken Anteil am Schicksal der von IS bedrohten Menschen dort. In zahlreichen Städten organisierten sie Proteste gegen IS. Zum Teil wurden dabei auch Slogans gegen die Türkei gerufen. Den Kurden stellten sich radikale Muslime entgegen. Einige der Angreifer dürften in dem Konflikt tatsächlich mit IS sympathisieren, andere lehnen lediglich die Ideologie der meist eher säkular orientierten kurdischen Gruppen ab. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es Zusammenstöße der beiden Lager gegeben.

Welche kurdischen Gruppierungen gibt es in Deutschland?

In der Bundesrepublik leben rund 800 000 Kurden, so die dpa. Viele von ihnen sind aus politischen Gründen nach Deutschland geflohen. Etwa 13 000 der hier ansässigen Kurden gelten als Anhänger der in der Türkei und auch in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die linksradikale Partei hat auch Ableger im Iran und in Syrien. Vor allem ihre Kämpfer waren es, die in diesem Sommer versuchten, die religiöse Minderheit der Jesiden im Irak vor dem IS-Terror zu schützen. Die Jesiden sind ethnische Kurden. Viele von ihnen flohen in den vergangenen vier Jahrzehnten aus der Türkei und aus dem Irak. Die größte Exil-Gemeinschaft findet sich in Deutschland. Hier leben zwischen 50 000 und 90 000 Jesiden, überwiegend in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Wie ist die islamistische Szene in Deutschland aufgestellt?

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43 000 Menschen dazu. Die Szene ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Besonders groß ist der Zulauf bei den Salafisten. Diese radikale Strömung innerhalb des sunnitischen Islam propagiert eine Rückkehr zu den Werten und Lebensweisen der ersten Muslime. Rund 6200 Leute werden der Salafisten-Szene zugeordnet – mit weiter steigender Tendenz. Salafistische Strömungen lassen sich in drei Kategorien einteilen: missionarische Gruppen, politische Gruppen und militante Salafisten, die sich an Gewaltaktionen beteiligen und Terror gegen vermeintliche «Ungläubige» ausüben.

Und die Tschetschenen?

Militante Islamisten aus Tschetschenien sind seit dem militärischen Sieg der Russen gegen tschetschenische Separatisten als Dschihadisten in andere Konfliktregionen gezogen. Auch in Syrien kämpfen derzeit radikale Muslime aus Tschetschenien in den Reihen der IS-Miliz sowie in anderen militanten Islamisten-Gruppen. Unter den in Deutschland lebenden Tschetschenen sind ebenfalls einige Islamisten.

Wie schätzen die Sicherheitsbehörden die Zusammenstöße ein?

Die Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern haben die Entwicklung im Blick und beobachten die Ausschreitungen mit Sorge. Mit einer näheren Bewertung der Lage halten sie sich bislang aber zurück.

Etwa 20 kurdische Jugendliche und deutsche Unterstützer sind am Donnerstag in die Münchner CSU-Zentrale eingedrungen. Sie forderten ein härteres Vorgehen der internationalen Staatengemeinschaft gegen die islamistische Terrormiliz IS sowie Druck auf die Türkei. «Wir haben die CSU-Landesleitung symbolisch besetzt, natürlich gewaltfrei», sagte ihr Sprecher Kerem Schamberger. Die Demonstranten forderten zudem eine Aufhebung des Verbots der kurdischen Arbeiterpartei PKK in Deutschland und ein Gespräch mit einem ranghohen CSU-Politiker.

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