Krise in der Nationalmannschaft: Fatih Terim holt zum Rundumschlag aus

Bei der türkischen Nationalmannschaft hängt der Haussegen gewaltig schief! Grund hierfür ist der Zwist zwischen Gökan Töre, Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak. Nationaltrainer Fatih Terim bestätigte bei der jüngsten Pressekonferenz die Gerüchte, holte aber gleichzeitig zum Rundumschlag aus.

Ein riesiger Skandal erschüttert derzeit die Fußball-Medienlandschaft in der Türkei. Nachdem mehrere Medienanstalten den Vorfall um Gökhan Töre, der mitsamt Gefolgschaft seine Nationalmannschaftskollegen Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak mit einer Schusswache bedroht haben soll, ans Tageslicht gebracht haben, erscheinen die „verletzungsbedingten“ Absagen der beiden Bayer-Akteure nun in einem anderen Licht. Demnach verweigern sowohl Calhanoglu, als auch Toprak ein gemeinsames Zusammenkommen mit Töre. Wie es in dieser Personalie weitergehen soll, ist noch völlig unklar. Bestätigt wurde der skandalträchtige Vorfall mittlerweile von mehreren Seiten. Der Vater von Calhanoglu, Ex-Besiktas-Sportdirektor Önder Özen, sogar Nationaltrainer Fatih Terim haben dieser Tage ihre Sicht der Dinge wiedergegeben und den Zwist der drei Spieler untereinander bestätigt.

Fatih Terim mit Rundumschlag!

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag zeigte sich Coach Terim hingegen überaus angefressen. Die Vorfälle um Gökhan Töre bestätigte der erfahrene Übungsleiter, erklärte aber zugleich, dass die Sache für ihn gegessen sei. Terim zu den Pressemeldungen: „Ich bin generell kein Mensch, der das Innenleben einer Mannschaft preisgibt. Ich habe mich vor einen 22-Jährigen gestellt und ihn geschützt. Dafür muss man sich hier wohl entschuldigen. […] Nach der Niederlage gegen die Niederlande haben wir unsere WM-Chancen vertan und das Camp anschließend aufgelöst. Man sagt, dieser Vorfall sei vor dem Spiel im Hotel passiert. Zuerst einmal ist das in einem Nachtclub vorgefallen. Im Hotel ist es dann wohl weitergegangen. Ich selbst habe es erst von Ömer mitbekommen. Bei den Länderspielen in Adana und Mersin wusste ich noch von nichts. Ich habe selber Kinder und kann so eine Aktion natürlich keinesfalls gutheißen. Danach habe ich Gökhan ein Jahr nicht nominiert und wurde dafür kritisiert. Doch ich habe kein Wort der Öffentlichkeit gesagt.“

Einmal in Rage geraten, war Terim nicht mehr zu beruhigen. Der 61-Jährige weiter: „Erst mussten die Mütter 2008 reden, jetzt versucht ihr aus den Vätern Infos herauszubekommen. Das ist eine komische Krankheit von euch. Ich habe gedacht, das wäre unser aller Nationalteam? Bei so vielen Ausfällen habt ihr uns einen weiteren Ausfall hinzugefügt. Gökhan Töre ist so motiviert angereist, im Moment ist sein Wohlbefinden überhaupt nicht gut. Ich weiß, dass Gökhan mindestens drei Mal angerufen und sich entschuldigt hat. Es kann sein, dass die Entschuldigung nicht angenommen wurde. Wie ich reagiert habe, seht ihr ja. Hätte ich ihn etwa umbringen sollen? Ihr sollt aber auch wissen, dass ich Hakan und Ömer den Rücken stärken werde. Das versichere ich euch.

[…] Eigentlich müsstet ihr uns aufbauen und auf das Spiel vorbereiten, doch ihr beeinflusst uns negativ. Ich weiß im Moment nicht, wie ich es euch Recht machen soll. Es kann sein, dass ihr mich nicht mögt, aber schreibt doch wenigstens das Richtige. Gab es diesen Vorfall? Ja, den gab es. Doch ist das der richtige Zeitpunkt, um darüber zu schreiben? Müssen die gegnerischen Trainer mit solchen Problemen kämpfen? Versucht ihr uns zu manipulieren, versucht ihr irgendetwas zu manipulieren? Anscheinend seid ihr alle wegen diesem Skandal hier, denn zum Fußball habt ihr bislang noch keine Fragen gestellt.

[…] Wieso ist es wichtiger, ob ein Mehmet Topal oder Burak beim Derby spielen können? Wir haben zwölf Verletzte im Team, uns steht ein wegweisendes Spiel gegen Tschechien bevor und ihr beschäftigt euch mit ganz anderen Dingen. Ich habe alles verfolgt, gehört und gelesen. Gott soll meine Freunde vor mir schützen, doch den Kampf gegen meine Feinde werde ich aufnehmen.“

Auf die sportliche Situation wollte Terim demzufolge auch nicht groß eingehen. Während die ebenfalls anwesenden Semih Kaya, Oguzhan Özyakup und Ozan Tufan ein Sechs-Punkte-Spiel gegen die Tschechen erwarten, hatte der Nationalcoach nicht mehr viele Worte übrig: „Wir werden gegen ein sehr gutes Team antreten. Sie haben nach dem Holland-Sieg viel Selbstvertrauen und spielen seit langer Zeit zusammen. Ich vertraue meinen Spielern und glaube an ein gutes Ergebnis.“

Besiktas stellt sich hinter Töre

Sich demonstrativ hinter Töre gestellt hat nun auch dessen Verein Besiktas, der in einer öffentlichen Pressemitteilung die Berichterstattung der türkischen Medien kritisierte. Ex-Sportdirektor Önder Özen erklärte gegenüber NTV Spor, dass man Töre daher nicht auf immer und ewig verurteilen solle. „Es gibt einen Vorfall, bei dem auch Waffen im Spiel waren. Doch Gökhan war nicht explizit daran beteiligt. Wie Fatih Terim es schon sagte, ist das nach dem Länderspiel in einem Nachtklub passiert, anschließend im Hotel. Ich finde es nicht richtig, dass man immer noch darüber spricht. Der Nationaltrainer hat sich entschuldigt, auch ich würde das tun, wenn es nötig wäre. Es hat keinen Sinn, aus einem Fehler zehn Fehler werden zu lassen. Er hat genug gelitten und einen Neuanfang gestartet.“

Ein mehr als bitterer Beigeschmack bleibt nach diesem „Zwischenfall“ aber nach wie vor bestehen. So sehr sich die Verantwortlichen hinter den türkischen Nationalspieler stellen, mit seiner Aktion hat der 22-Jährige eine mit Sicherheit klare Grenze überschritten. Eine Rückkehr von Hakan Calhanoglu und Ömer Toprak in die Nationalmannschaft ist zumindest unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich. Bleibt abzuwarten, wie Nationaltrainer Terim diese Krise lösen wird. Entscheidet sich Terim für Töre oder Calhanoglu & Toprak? Oder ist sogar ein Beisammensein aller drei Akteure in einer Mannschaft möglich?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf GazeteFutbol.com.

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