Untersuchung: Migration und Integration lohnen sich für Einwanderer ökonomisch und privat

Migration und Integration scheinen sich für Einwanderer in Deutschland auszuzahlen. Tatsächlich ist das durchschnittliche nominale Nettoeinkommen der Migranten hier mehr als doppelt so hoch wie im Auswanderungsland. Besonders lohnend sind deutsche Sprachkenntnisse.

Ganze 20 Prozent mehr Lohn sind für jene Einwanderer möglich, die über sehr gute deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Ausschlaggebend ist auch das Netzwerk vor Ort. Mehr als die Hälfte der Einwanderer findet den ersten Job über Familienangehörige, Freunde und Bekannte. Zudem sind Migranten, die soziale Kontakte zu Menschen ohne Migrationshintergrund pflegen, deutlich zufriedener. Das sind zentrale Resulate der aktuellen IAB-SOEP-Migrationsstichprobe des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Längsschnittstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Demzufolge betrug der durchschnittliche Nettomonatsverdienst der Migranten vor ihrer Zuwanderung 506 Euro. In Deutschland liegt er dagegen bei 1.273 Euro. Die realen Unterschiede seien allerdings aufgrund der Kaufkraftunterschiede zwischen Deutschland und den Herkunftsländern geringer als die nominalen, heißt es hierzu.

Zudem würden gute und sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache sowohl die Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein, als auch die Verdienste deutlich steigern. Der monatliche Nettolohn von Personen, die sehr gute Sprachkenntnisse vorweisen, liege den Ergebnissen zufogle fast 22 Prozent über dem Lohnniveau von Personen, die über keine oder schlechte Deutschkenntnisse verfügen. Zugleich sinke jedoch mit steigenden Sprachkenntnissen das Risiko, nicht entsprechend der beruflichen Qualifikation beschäftigt zu werden.

„Mit der Anerkennung der beruflichen Abschlüsse steigt der Verdienst um 28 Prozent und sinkt das Risiko, ausbildungsinadäquat zu arbeiten“, so eine der zentralen Botschaften. Rund ein Drittel der Migranten hätten die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen beantragt. Bei 50 Prozent der Antragsteller seien die Abschlüsse als vollständig gleichwertig, bei weiteren 20 Prozent als teilweise gleichwertig anerkannt worden.

Weiterhin seien Netzwerke für die Arbeitsuche hierzulande entscheidend. „Mehr als die Hälfte der Migranten fand ihre erste Arbeitsstelle durch Familienangehörige, Freunde und Bekannte, rund ein Fünftel durch eine öffentliche oder private Arbeitsvermittlung“, heißt es in dem 36 Seiten starken Kurzbericht.

Die Lebenszufriedenheit der Migranten steige zudem an, wenn soziale Kontakte zu Personen ohne Migrationshintergrund gepflegt würden. Der Untersuchung zufolge haben drei Viertel der seit 1995 nach Deutschland zugezogenen Menschen private Kontakte zu Personen ohne Migrationshintergrund. Bei den vor 1995 zugezogenen Migranten liegt der Anteil sogar bei fast 85 Prozent. Umgekehrt hat nur ein Viertel der Personen ohne Migrationshintergrund in Deutschland private Kontakte zu Migranten.

„Insgesamt sind in Deutschland lebende Migranten und ihre Nachkommen nicht unzufriedener oder zufriedener als Personen ohne Migrationshintergrund. Gut die Hälfte der befragten Migranten gibt allerdings an, dass sie in Deutschland aufgrund ihrer Herkunft Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Von den Befragten mit Diskriminierungserfahrung berichtet ein Viertel sogar von häufigen Diskriminierungserfahrungen“, so das Fazit.

Mittlerweile gewinnen neue Muster der Migration an Bedeutung. Bereits seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise ist der Anteil von Zuwanderern, die vor ihrem Zuzug nach Deutschland bereits in anderen Ländern gelebt haben, sprunghaft angestiegen. Betrug deren Anteil an den Zuwanderern im Zeitraum von 2000 bis 2007 noch rund 20 Prozent, verdoppelte er sich im Zeitraum von 2008 bis 2013 auf etwa 40 Prozent.

Info:

Die Studie beruht auf der neuen IAB-SOEP-Migrationsstichprobe mit rund 5.000 Befragten. Dabei werden Informationen zu ihrer Migrations-, Bildungs- und Erwerbsbiografie erhoben, aber auch zur Lebenszufriedenheit und zu Diskriminierungserfahrungen. Der Datensatz eröffnet neue Analysepotenziale für die Migrations- und Integrationsforschung und die Politikberatung, insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsmarktintegration von Migranten und ihre Nachkommen.

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