Erster türkischstämmiger Berliner im höchsten Richteramt

Der Deutschtürke Ahmet Alagün hat am Freitag für eine echte Premiere in der Hauptstadt gesorgt. Sechs neue Verfassungsrichter wurden an diesem Tag in Berlin ins Amt eingeführt. Unter den Würdenträgern ist der Jurist der erste Türkischstämmige.

Die Einführung der sechs neuen Verfassungsrichter verlief ohne großes Aufsehen. Die Ämter werden nun teils von bekannten Juristen ausgeübt. Mit dabei sind zum Beispiel Strafverteidigerin Margarete von Galen, die über Jahre Präsidentin der Berliner Anwaltskammer war. Oder Jürgen Kipp, der bis vor drei Jahren als Präsident des Oberverwaltungsgerichts fungierte. Doch der Amtsrichter Alagün sticht heraus – wegen seiner türkischen Wurzeln.

Premieren ist Ahmet Alagün gewohnt. In der Vergangenheit war der Jurist bereits erster Berliner Richter und erstes Mitglied im Richterwahlausschuss mit Migrationshintergrund, berichtet der Tagesspiegel. Nun sei er im Vorfeld gefragt worden, ob er das Amt des Verfassungsrichters bekleiden wolle, so der 56-Jährige.

Alagün stammt aus der unterfränkischen Universitätsstadt Würzburg. Dort kam er 1958 zur Welt und wuchs anschließend in Aachen auf. 1980 zog es ihn zum studieren nach Berlin. Sein Vater ist Türke und stammt aus Ankara. Er studierte in der Bundesrepublik Medizin und wurde Arzt. Die Mutter Alagüns ist Deutsche. Das Ehepaar zieht drei Söhne groß. Die Betonung seiner türkischen Wurzeln muten dem religionslosen Juristen offenbar seltsam an. „Ich habe mich mit dem Stichwort Migrationshintergrund nie in Zusammenhang gebracht“, so Alagün zur Zeitung.

Der Akademiker, der 1991 zum Richter ernannt wurde, betrachtet seine jetzige mediale Einordnung dennoch als Chance. Er wolle seine Wahl als Ermutigung für Menschen aus anderen Kulturkreisen verstanden wissen. Alagün zufolge sei sie ein Signal, „dass man auch mit einem anderen Hintergrund hierzulande Derartiges schaffen kann“. Auf die Frage, ob er sich selbst als Türke oder Deutscher fühle, antwortete er anlässlich seiner Einberufung in den Berliner Richterwahlausschuss: „Ich bin irgendwie zwischen den Welten.“ Er verstehe beide Seiten und spreche natürlich auch Türkisch.

Die Wahl selbst erfolgte bereits im vergangenen Juli. Das Abgeordnetenhaus von Berlin hatte in der Plenarsitzung durch die Abgeordneten neue Verfassungsrichter für den Berliner Verfassungsgerichtshof gewählt. Die Feierstunde zur Amtseinführung fand am Freitag im  historischen Plenarsaal des Kammergerichts statt.

Alagün darf das Amt des Verfassungsrichters nun für sieben Jahre ausüben. Eine Wiederwahl ist ausgeschlossen. Die Arbeit erfolgt ehrenamtlich und wird lediglich mit einer Aufwandsentschädigung abgegolten. Der Berliner Verfassungsgerichtshof existiert seit März 1992.

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